Berichte

Kaffee, Königspalais, Kopenhagen - Reise-Sehnsucht: Rückblick auf einen besonderen Tag im Sommer

Die Kleine Meerjungfrau © Dorothea Fading

Im malerischen Hafenviertel © Dorothea Fading

„Wo ist das zweite Packerl Kaffee? Ich kann es nirgends finden.“ rief Bernhard von der Küche aus. Ich war gerade im größten Kinderfertigmach- und Vorbereitungsstress, wollten wir doch ganz pünktlich um neun Uhr losfahren - nach Kopenhagen, ca. 90 Minuten von unserem Wohnort Marielyst entfernt. Eine ausgesprochen frühe Startzeit für uns im Urlaub, wo doch die Kleinen nie vor 22 Uhr einschlafen…

Nachdem Katharina, die mit der Kaffeesuche beauftragt worden war, relativ schnell vermeldete: „Ich habe alle Koffer durchsucht, aber nirgends ist Kaffee.“, begab ich mich mit ziemlichem Herzrasen auf die Suche.
Schließlich wurde Bernhard in einer etwas hinter einer Kommode verstecken Reisetasche fündig. Nun schien er auf den Geschmack gekommen zu sein und rief sogleich das nächste zu suchende Teil aus, dieses Mal seine Uhr, die er schon seit einigen Tagen als vermisst gemeldet hatte. Aber selbstverständlich war um 8:45 Uhr dafür der beste Kairos…

Ich fluchte innerlich, war aber gerade damit beschäftigt, Korbis Insulinampulle zu wechseln sowie den Streit der Zwillinge um die Bastelschere zu schlichten.

Um 8.50 Uhr hatte ich alles gepackt, die Kinder frühstücken lassen und das gesamte Diabetesmanagement sowie die Sightseeingplanungen erledigt, stand aber leider immer noch im Nachthemd rum, da Katharina ununterbrochen das einzige Bad in unserem Ferienhaus okkupierte. Die drei Kleinen mussten dringend pieseln, aber die Badezimmertür blieb verschlossen. Erst als ich wutentbrannt mit Handyentzug drohte, öffnete Kathi gnädig die Tür, so dass sich die Kleinen immerhin noch vor der Autofahrt erleichtern konnten. Und mir blieb noch genau eine Minute, um in aller Eile eine Sekundenkatzenwäsche zu machen sowie mein Kleid überzustreifen…

Um Punkt neun Uhr saß ich neben einer perfekt gestylten und entspannten Katharina, während mir die Schweißperlen auf der Stirn standen und ich im Auto bemerkte, dass mein Kleid unerklärlicherweise Ölflecken aufwies. Aber immerhin war uns tatsächlich ein pünktlicher Start gelungen, ohne etwas Essentielles vergessen zu haben. Die Zeit drängte sehr, da ich unseren Kindern unbedingt das Spektakel der Wachablösung vor dem Schloss Amalienburg zeigen wollte, laut Reiseführer täglich ab 11.30 Uhr. So fuhren wir relativ zügig in die bereits online bezahlte „park and ride“-Tiefgarage, bis es einen ziemlichen Knall gab. Mit Schrecken mussten wir feststellen, dass unser VW-Bus bzw. zumindest unsere Radioantenne leider doch höher als 2,05 Meter sind… Und so hielten wir das gute Stück abgebrochen in den Händen. Schwer bepackt mit zahlreichen Rucksäcken und Taschen – neben der obligatorischen Waage und zahlreichem Diabetesequipement für Korbi – schleppen wir bei jedem Ausflug immer noch unglaubliche Mengen an Essen und Trinken mit. Die Tiefgarage schien über keinen Ausgang zu verfügen. Wir rüttelten an zahlreichen Stahltüren, von denen sich keine einzige öffnen ließ (im Brandfall äußerst beruhigend…), eilten unter Kathis Klagen, dass sie auf keinen Fall Aufzug fahren möchte, zu selbigem, um festzustellen, dass auch dieser außer Betrieb war. So blieb uns nichts anderes übrig als die Einfahrtsrampe als Ausgang zu benützen.

Dann folgte, gerade für unsere Jungs, das erste Highlight des Tages: wir fuhren mit einer führerlosen U-Bahn. Erwies sich die langersehnte Wachablösung als wesentlich unspektakulärer als erhofft, versöhnte uns schnell das traumhaft schöne Hafenviertel von Kopenhagen, Dänemarks Hauptstadt. Bei strahlend blauem Himmel konnten wir in einem Restaurant direkt in Nyhavn speisen. Während die Kinder Smörrebröd mit Fleischpflanzerln und Kartoffelsalat bestellten – von dem gerade unsere Töchter sehr angetan waren – ließen wir Eltern uns das laut Reiseführer „beste Heringsbuffet der Stadt“ schmecken: ein Teller mit sieben verschiedenen Heringsarten, von denen einer köstlicher als der andere mundete. Für mich war es wirklich sehr entlastend, an einem Tag mal nicht kochen zu müssen und dann noch eine solche Delikatesse verkosten zu dürfen.

Gestärkt durch das gute, typisch dänische Essen begaben wir uns auf den Weg zur „Kleinen Meerjungfrau“. Leider haben wir ja wirklich nie Urlaub vom Diabetesmanagement und so war ich einige Stunden äußerst angespannt, da Korbi‘s Zuckerwerte unerklärlicherweise immer höher und höher stiegen, bis ich ihm bei dem katastrophalen Wert von 400  schließlich kurz vor Kopenhagens Wahrzeichen einen neuen Katheter setzen musste.
Während wir anschließend andächtig die kleine Meerjungfrau bewunderten, war für die Jungs ein Wasserflugzeug, das direkt vor ihren Augen landete, bei weitem die Hauptattraktion. Dank Corona war Kopenhagen erfreulich leer. Es legten auch keine Kreuzfahrtschiffe an, die Unmengen von Touristen ausgespuckt hätten. Nach einem anschließenden Spielplatzbesuch fuhren die Kinder bereitwillig mit der Stadtbesichtigung fort. So bestaunten wir Kopenhagens größtes Einzeldenkmal, den Gefion Brunnen, sowie die Marmorkirche, bevor wir in Klein-Amsterdam, Christianshavn, eintauchten. Die Kinder legten bewundernswert lange Strecken zu Fuß zurück. Gerade die Zwillinge waren auch noch nach Stunden voller Elan und hopsten ständig voraus, so dass ich meine liebe Mühe hatte, sie rechtzeitig vor jeder Straße zurückzupfeifen. Eine der größten Touristenattraktionen, die Freistadt Christiania, wollten wir uns ebenfalls nicht entgehen lassen und so tauchten wir mit den Kindern und mit etwas gemischten Gefühlen in diese völlig andere Stadt ein. Dort herrscht ein striktes Fotografierverbot. Stärker als der visuelle Sinn wird dort sowieso der olfaktorische Sinn beansprucht, ist die gesamte Luft dort wirklich von einem extrem intensiven „Grasgeruch“ geschwängert.

Obwohl die Kinder danach – es war auch bereits 19 Uhr – relativ besichtigungsmüde waren, fuhren wir mit der Metro noch zum Rathausplatz. Er erinnerte mich stark an den etwas abfallenden Hauptplatz von Siena. Wir besichtigten das Rathaus und zeigten den Kindern die Mutter aller Vergnügungsparks, das Tivoli. Allerdings nur von außen, waren wir doch zwei Tage zuvor extra den Kindern zuliebe in den relativ weit entfernten Freizeitpark „Bonbonland“ gefahren, der allen exorbitant gut gefallen hat. Tatsächlich ließen sie sich danach noch motivieren, durch die Fußgängerzone zu laufen, um Kopenhagens ältesten Springbrunnen, den Caritasbrunnen auf dem Gammeltorv, zu besichtigen. Vinzi schoss hervorragende Fotos mit meinem Handy.

Als wir gegen 21 Uhr wieder an unserem Auto angekommen waren, zeigte Kathis Schrittzähler, dass wir fast 20.000 Schritte zurückgelegt hatten. Unsere vier Kinder konnten wirklich stolz auf sich sein – ohne zu quengeln waren sie den ganzen Tag durch Kopenhagen gelaufen. Dänemarks Hauptstadt hat uns allen wirklich ausgesprochen gut gefallen. Ich bin sehr dankbar, dass wir nach einigen Regentagen und insgesamt kühlem Wetter Kopenhagen bei strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen erleben durften. (Dorothea Fading)