Berichte

Freising feiert: 30 Jahre Diabetiker-SHG, 50 Jahre Mitgliedschaft Manfred Wadenstofer

SHG Freising Erwachsene - gegenseitige Unterstützung und Zusammenhalt

Beim Feiern - stehend von li.n.re.: Referentin Dr. Esther Maria Preuss, Marion Köstlmeier, stellv. Vorsitzende Diabetikerbund Bayern e.V., Manfred Wadenstorfer, Leiter Erwachsenengruppe Freising, und Christine Walig, Leiterin Elterngruppe © Dieter Michalek

Mitgliedsjubilar und Gruppenleiter Manfred Wadenstorfer mit den Referenten Prof. Johannes Erdmann und Dr. Esther Maria Preuss

Die anwesenden Gründungsmitglieder - v.li.n.re.: Heidi Haimerl, Manfred Wadenstorfer, Christine Walig - es fehlt krankheitsbedingt Josef Ottowitz

Anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens hatte die Diabetiker-Selbsthilfegruppe Erwachsene Freising Gruppenmitglieder und Diabetiker in Freising und Umgebung zu zwei interessanten Fachvorträgen in den Gasthof Nagerl, Marzling, eingeladen. Anschließend wurde gemeinsam gefeiert.

Zu Beginn stellte Gruppenleiter Manfred Wadenstorfer die Gruppe vor, die vor 1989 schon als loser Zusammenschluss auf Initiative von Heidi Haimerl ihre ersten Schritte machte; mit dabei waren damals schon Christine Walig und Josef Ottowitz. 1989 wurde die Selbsthilfegruppe offiziell gegründet. Frau Haimerl leitete die Gruppe 20 Jahre.

Warum eine Selbsthilfegruppe? Man traf (und trifft) sich, um Erfahrungen untereinander auszutauschen – jeder profitiert(e) von den Erkenntnissen des anderen. Viele Informationsquellen, die heute alltäglich sind, gab es damals nicht – man denke z.B. an das Internet und Social Media. Auch Schulungen für Diabetiker waren keine Selbstverständlichkeit.

Erfahrungsschatz vieler hilft allen

Macht das Internet, das größere Angebot an Fachzeitschriften und Social-Media die Selbsthilfegruppe jetzt überflüssig? Nein – sagen alle, die sich schon einmal in die Selbsthilfegruppe „getraut“ haben. Der persönliche Austausch hat eine andere Intensität. Man diskutiert in der Gruppe, jeder bringt neue Gesichtspunkte zum Thema ein, kann hinterfragen. Jedes Treffen ist für alle Teilnehmer ein Gewinn.

Heute besteht die Gruppe aus 25 Mitgliedern, überwiegend Typ-1-Diabetiker, aber auch Typ-2-Diabetiker und Angehörige sind vertreten. Warum auch Angehörige? Weil „Diabetes“ nicht nur das erkrankte Familienmitglied betrifft, sondern auch alle, die mit ihm/ihr leben. Auch sie brauchen Unterstützung und Austausch. Die Altersspanne reicht von 30 bis 85 Jahren. Der Erfahrungsschatz reicht von 10 bis zu 70 Jahren Leben mit Diabetes. Dabei sind wir von den gefürchteten Folgeerkrankungen weitestgehend verschont geblieben. Wir sind überzeugt, dass auch die Selbsthilfegruppe hierzu beigetragen hat: sie motivierte und begleitete uns im bewussten und sorgfältigen Umgang mit dem Diabetes. Die Gruppe möchte deshalb alle Diabetiker ermutigen, an unseren Gruppentreffen teilzunehmen, ganz unverbindlich und kostenlos.

Vor neun Jahren: Gründung Elterngruppe

Vor 10 Jahren übernahm Manfred Wadenstorfer die Gruppenleitung. Er wird tatkräftig von seiner Stellvertreterin und Kassier Christine Walig, sowie Fritz Lecker, Schriftführer, unterstützt. Vor neun Jahren ist aus der SHG Erwachsene Freising der Treff „Eltern diabetischer Kinder“ hervorgegangen, den heute Christine Walig leitet.
Manfred Wadenstorfer und sein Team hatten für dieses Jubiläum zwei Vorträge organisiert. Zunächst sprach Dr. Esther Maria Preuss, Diabetologin aus Freising, über das Thema „Diabetes mellitus: Unterschied Typ 1 und 2 mit ihren Behandlungsformen“. Sie sprach über neue Erkenntnisse: Zukünftig wird man in der Diabetologie wohl nicht mehr hauptsächlich von Typ 1 und Typ 2 sprechen, sondern von fünf verschiedenen Diabetesformen. Die Betroffenen können dann gezielter und individueller behandelt werden.

Die individuell passende Therapie finden

Frau Dr. Preuss ging auch auf die unterschiedlichsten Medikamente ein. Sie betonte, dass es DIE EINE TABLETTE, DAS EINE INSULIN für alle nicht gibt, auch wenn die Werbung es oft so verspricht. Gäbe man 100 Diabetikern die selbe Substanz, so wäre wohl 1/3 sehr begeistert, 1/3 würde im Vergleich zur bisherigen Therapie ein „na ja“ sagen und ein weiteres Drittel wäre sehr enttäuscht. Jeder Diabetiker ist individuell – die Herausforderung für Arzt und Patient liegt darin, das passende Medikament für genau diese Person zu finden.

Neben Typ-1- und Typ-2-Diabetes sprach sie auch den relativ unbekannten MODY-Diabetes an. Immer dann, wenn junge Menschen unter 25 anscheinend an Typ-2-Diabetes erkranken, Vater oder Mutter, Großelternteile ebenso schon seit Jugend betroffen sind, sollte der Arzt daran denken.

Senken Sie die Energiedichte

Nach einer kurzen Pause referierte Prof. Dr. Johannes Erdmann, Hochschule Weihenstephan - Triesdorf, zum Thema „Satt essen und abnehmen bei Diabetes“. Er ging auf den Sinn und Unsinn verschiedener Abnehmprogramme und Crash-Diäten ein. Alles, was sich nicht auf Dauer als neue Ernährungsgewohnheit festigen lässt, sei zum Scheitern verurteilt.

Funktionieren kann nur „Satt werden ohne zu hungern“. Das ist möglich, wenn man in erster Linie die Energiedichte der einzelnen Lebensmittel beachtet und Lebensmittel mit hoher Energiedichte durch Alternativen mit weniger Energiedichte ersetzt. Dazu muss der Patient zunächst Ernährungsprotokolle führen. Das Ziel ist keine radikale Änderung und „Sie dürfen nie wieder“, sondern ein schrittweises Anpassen. Ein Beispiel: Brot hat eine hohe Energiedichte, Quark oder Schinken nicht – wenn man das Verhältnis Brot zu Belag zu Gunsten des Belags verändert, wird die Energiedichte dieser Mahlzeit geringer – und man ist trotzdem satt.

Prof. Erdmann stellte eine Lebensmittelampel vor, die nach der Energiedichte unterscheidet: rot gekennzeichnet werden hier alle Lebensmittel mit einer Energiedichte größer 2,5 kcal/g, grün mit einer Energiedichte bis 1,5 kcal/g, gelb alles dazwischen.

Nach den Vorträgen wurden die Gründungsmitglieder geehrt. Marion Köstlmeier, stellv. Vorstandsvorsitzende des Diabetikerbund Bayern e.V. überbrachte die Glückwünsche des Vorstands, denn ein 30-jähriges Gruppenjubiläum ist etwas ganz Besonderes. Anschließend überraschte sie Manfred Wadenstorfer, Beisitzer im Vorstand, mit seiner Ehrung für 50 Jahre Mitgliedschaft im Diabetikerbund Bayern.

Dank an unsere Wirtsfamilie Nagerl

Zum Schluss dankte Manfred Wadenstorfer der Wirtsfamilie Nagerl mit einem Blumengesteck für 30 Jahre tolle Aufnahme, Verpflegung und Bereitstellung von separaten Räumlichkeiten inkl. der erforderlichen Technik bei Vorträgen. Mit dem Gruppenfoto vor dem Gasthof endete die Jubiläumsfeier.

Herzliche Einladung in unsere SHGn

Für alle Interessierten: Die Erwachsenengruppe trifft sich jeden 1. Mittwoch im Monat ab 19.30 Uhr im Gasthof Nagerl, die Elterngruppe diabetischer Kinder jeden letzten Mittwoch im Monat im Gasthaus Lerner, Freising (außer Ferien) ebenfalls ab 19.30 Uhr. Neue Teilnehmer sind immer herzlich willkommen! (Manfred Wadenstorfer)