Berichte

Endlich wieder Treffen in Schwabach - und sogleich Mitgliedsjubilare geehrt

v. li.: Verena Hädrich, Stellv. Vorstandsvorsitzende und Gruppenleiterin, die Mitgliedsjubilare Ulrike Graf, Walter Greul, Dagmar Herbert, Carolin Dohle, re. Elke Popp, stellv. Gruppenleiterin - es fehlt terminbedingt Jubilarin Gisela Prütting © Ulrike Reinhardt

Verena Hädrich gratuliert Walter Greul, natürlich corona-konform © Ulrike Reinhardt

Walter Greul © Walter Greul

Ulrike Graf © Ulrike Graf

Carolin Dohle © Carolin Dohle

Dagmar Herbert © Dagmar Herbert

Gisela Prütting © Gisela Prütting

Lange konnten wir nur hoffen und unsere treuen Gruppenmitglieder von einem Termin auf den nächsten vertrösten – das große „C“ mit seinen Beschränkungen ließ Treffen vor Ort nicht zu. Ersatzweise haben wir uns „Online“ über Wasser gehalten, doch es war klar: persönliche Treffen, „miteinander reden von Angesicht zu Angesicht“ sind einfach besser und durch nichts zu ersetzen!

Umso mehr haben wir uns gefreut, dass es kurz dem für Juni geplanten Treffen unserer SHG Schwabach Typ 1 Lockerungen gab. Sie machten einem „richtigen“ Selbsthilfegruppenabend unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sogar „drinnen“, im großen Saal des „Gasthof Raab“ in Schwabach, möglich! Glück gehabt - denn für einen gemeinsamen Abend draußen auf der Terrasse war das Wetter eher ungeeignet: wir alle hätten mindestens eine dicke Jacke gebraucht! Ob der Vortrag unter diesen Bedingungen auch so gut gelungen wäre!?

Nicht nur das ersehnte Wiedersehen vieler bekannter Gesichter war Anlass zu großer Freude – es gab noch ein weiteres Highlight:
Wir durften gleich vier Mitglieder aus der Region für ihre langjährige Mitgliedschaft und Treue im Diabetikerbund Bayern e.V. ehren! Ein weiteres Mitglied aus Nürnberg war im Juni verhindert, diese Ehrung holten wir im Juli natürlich nach! Alle Jubilare haben sich über die persönliche Ehrung sehr gefreut sowie mit so mancher Anekdote ein bisschen aus ihrem Leben berichtet, das nicht immer diabetesgerecht war. Obwohl sie bisher nicht, nicht mehr regelmäßig bzw. schon lange nicht mehr in unserer Gruppe waren, haben sie sich in unserer Runde gleich sehr wohl gefühlt – sie wollen künftig wiederkommen!

Anschließend informierte uns Dagmar Herbert, Diabetesberaterin DDG, (auch sie war unter den Jubilaren) in einem interessanten Vortrag über die aktuellsten Neuerungen auf dem Insulinpumpen- und CGM-Markt. Sie konnte bereits, sowohl privat und als beruflich, mit so manch neuer Technik praktische Erfahrungen sammeln. Das hat sie gerne an uns weitergegeben! (Elke Popp)

 

Diabetes-Lebensgeschichten der Schwabacher Jubilare
 

Walter Greul, 60 Jahre Mitglied

Mein Name ist Walter Greul. Ich bin im Februar 1951 geboren. Seit meiner Geburt lebe ich im Landkreis Fürth – meistens in Roßtal.

Bereits im Alter von sechs Jahren (1957) wurde bei mir Diabetes mellitus Typ 1 festgestellt. Die medizinische Versorgung erfolgte in den ersten Jahren in der Kinderklinik der Universität Erlangen. Dort bekamen wir auch den Hinweis auf den Diabetikerbund, wo ich sehr bald Mitglied wurde und bis heute blieb. Von anfänglichen Metallspritzen, die nach jeder Benutzung von meiner Mutter durch Auskochen sterilisiert wurden, und bald auch Depotinsulin mit einer Injektion pro Tag, habe ich in den vergangenen 63 Jahren die gesamten Fortschritte der Diabetestherapie miterlebt.

Bis Ende meines dritten Lebensjahrzehnts war ich als Handballer aktiver Leistungssportler, danach Trainer und Schiedsrichter. Mein Informatik-Studium absolvierte ich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen mit dem Abschluss Diplom-Informatiker (Univ).

Dass dies in Verbindung mit meinem Berufsleben als selbständiger Unternehmer und Firmengründer mit Verantwortung für bis zu 180 Mitarbeitern nicht immer diabetesgerecht zu leben war, ist verständlich.
Trotzdem schaue ich zufrieden und glücklich auf meine inzwischen sieben Lebensjahrzehnte zurück.

Erst jetzt, durch die Einladung zur persönlichen Ehrung, habe ich die tolle Schwabacher Typ1er-Gruppe kennengelernt, in die ich gleich herzlich aufgenommen wurde. Deshalb nehme ich mir vor, soweit machbar, an künftigen Treffen teilzunehmen, denn auch nach über 60 Jahren Diabetes-Erfahrung kann ich noch Neues dazu lernen und zum Erfahrungsaustausch beitragen!


Ulrike Graf, 40 Jahre Mitglied


Seit 40 Jahren bezahlt meine liebe Mutter den Mitgliedsbeitrag. Sie erkundigte sich manchmal in den letzten Jahren, ob sie dies noch weiter tun solle. Es ging ihr nicht um den Beitrag, sondern um die Tatsache, dass ich ja schon lange bei keinem Treffen mehr gewesen wäre. Da hatte sie in der Tat recht, denn ich schätze, dass es das 1. Mal nach rund 20 Jahren ist, dass ich wieder mal zu den Schwabacher Typ1ern komme. Gerne werde ich meiner Mutter davon berichten - das wird sie sicher freuen.

Seit Herbst 1980 habe ich Typ-1-Diabetes. Damals war ich gerade in die 3. Klasse gekommen. Dr. Titze aus der Cnopf‘schen Kinderklinik war der Arzt, der mich einstellte, Von ihm kam die Empfehlung „Diabetikerbund“. In den 90er Jahren leitete ich sogar für ein paar wenige Jahre eine Jugendgruppe in Nürnberg. Wir entwarfen damals eine Art Comicfigur, die wir „den dollen Bert“ nannten. Gut, die Gruppe bestand nicht lange, denn durch Studium, Jobwechsel, ... stoben wir alle auseinander.

Wichtig beim Diabetikerbund Bayern ist für mich die Beständigkeit, zu der ich selbst mit meiner Mitgliedschaft beitrage. Man weiß, dort wird einem geholfen und man ist nicht alleine mit seinen „Fragen bzw. Problemen“.
Auch ich fand es wunderbar, wieder solch einen Abend mit Fachvortrag und insbesondere in so netter Runde zu erleben.

Schöne Grüße und herzlichen Dank nochmals, dass ihr mich an das Jubiläum erinnert habt. Nun sage ich mal ganz kühn: bis zum nächsten Mal.


Carolin Dohle, 25 Jahre Mitglied


Ich habe seit 1985 Diabetes Typ 1. Als Krankenschwester hatte ich mich wegen Verdacht auf Diabetes mit einem Urinteststreifen und später einem Schnelltest in meiner Klinik getestet. Mein damaliger Hausarzt glaubte mir nicht, dass ich Diabetes habe. Deshalb habe ich „gefuttert“ bis ich einen BZ von 505 hatte, als er ein Tagesprofil machte, habe ich mich fast über seine Panik gefreut – die Diagnose war in dem Moment für mich Nebensache!

Von Anfang an habe ich das Diabetes-Management selbst in die Hand genommen. Die Krankenkasse wollte mir damals kein Testgerät geben - ich bekam eines Dank eines Stationsarztes in Erlangen, den ich kannte. Diabetologen gab es erst so ca. ab 1995 für mich, bis dahin habe ich mich allein durchgekämpft.
Ab der Insulinpumpe VEO kam die vergebliche Hoffnung auf ein CGM, das heute fast für alle eine Selbstverständlichkeit geworden ist – ich habe es ja jetzt auch. Ein Kampf mit Spätschäden bleibt mir hoffentlich erspart.

Ich bin dankbar, dass ich meinen Beruf als Intensivkrankenschwester mit allen Unregelmäßigkeiten ausüben kann – aber auch da ist es mit Diabetes nicht immer einfach! Man sieht die Erkrankung ja nicht und deshalb muss man wie alle anderen funktionieren!

Zum Diabetikerbund kam ich mehr oder weniger wegen dem Diabetes-Journal, damals so ziemlich die einzige Informationsquelle für Typ1er. Alles andere (z.B. Apotheke) war zu Typ-2-lastig. Mein einziger Kontakt zum Verein war Verena Hädrich wegen meinen Zahlungsbestätigungen für die Einkommenssteuererklärung. Damit habe ich ihr sicher Mühe gemacht! Wichtig ist auch, durch die Mitgliedschaft, viele Aktive im Verein und in den Selbsthilfegruppen die Belange der Typ1er in den Vordergrund zu rücken!

Dank neuer Technik, z.B. dem Sensor am Arm, können sich Typ1er mittlerweile erkennen. Das finde ich ganz nett, ist mir bereits mehrfach in der Freizeit „passiert“.

Nochmals ganz herzlichen Dank für den sehr schönen Abend, mit der wirklich sehr lieben Ehrung, die tatsächlich keinen offiziellen Charakter, mit Auftritt hatte… - was ich keinesfalls wollte!


Dagmar Herbert, 25 Jahre Mitglied


Diabetes habe ich seit 1981, ein Zufallsbefund (mitten in den Abiturvorbereitungen) meines damals sehr aufmerksamen Hausarztes, der bei BZ-Werten nüchtern von 111/112 aufmerksam wurde. Da könnten sich manche Ärzte heute eine Scheibe davon abschneiden. Meine Mutter ist im Jahr 1921 geboren, dem Jahr der Entdeckung des Insulins – das ist daher in 2-facher Hinsicht ein bedeutsames Jahr für mich.

Sie hatte in ihrer Kindheit noch erlebt, dass Typ 1er gestorben sind. Sie hatte große Angst um mich, der super Hausarzt hat sie beruhigt. Kurz nach der Diagnose belegte sie einen Diabetiker-Kochkurs am Bildungszentrum. Das Rezept für die Windbeutel mit Zitronencreme setze ich bis heute gern in die Tat um!

Bemerkenswert fand ich, dass mich meine Mutter ihre Angst nie spüren ließ. Erst als ich schon Beraterin war, hat sie mir davon erzählt.

Als positiven Aspekt habe ich damals schnell entdeckt, dass mir meine älteren, sehr vernaschten, Brüder meine Diabetiker-Schokolade nicht streitig machten – vorher musste ich da sehr aufpassen.

Beim Diabetikerbund habe ich mich 1996 als ich meine erste Insulin-Pumpe bekam, angemeldet. Anfangs war ich v.a. an Informationen bzgl. der Pumpe interessiert. Ich kannte keinen mit so einem Teil und fand in Schwabach schnell kompetente Ansprechpartner. Außerdem fand ich dort das schöne Gefühl, nicht alleine zu sein. Da waren Menschen, die wussten was es bedeutet, 24 Stunden am Tag mit Diabetes zu leben.

Mit der Arbeit als Diabetesberaterin sitze ich selber an der Quelle der Informationen und begegne jetzt in neuer Form vielen Menschen mit Diabetes. Es ist mein Ziel, diesen Menschen zu zeigen: „Schau her, ein Leben mit Diabetes funktioniert, hier in Deutschland sogar mit guter Versorgung“. Manche Ziele müssen angepasst werden, aber vieles ist möglich. Ich habe das Gefühl, durch den Diabetes dankbar für das Leben und stärker geworden zu sein. Daneben habe ich durch ihn meinen Traumberuf gefunden.

Danke für Euer Engagement!


Gisela Prütting, 25 Jahre Mitglied (Ehrung am 13.07.)


Ich habe seit September 1991 Typ-1-Diabetes. Mir ging es schon den ganzen Sommer schlecht, und ich hatte schon einen Verdacht. Ich bin MTA und habe dann im Labor einen Blutzucker abnehmen lassen, aber die Kollegen haben sich nicht gewundert, da sie dachten: Das ist von einem Diabetiker. Zuhause hatte ich zufällig Urinteststreifen, und da war es eindeutig.

Am 5. September bin ich dann selbstständig ins Krankenhaus. Ich wurde zum Glück nicht im Koma eingeliefert. Meinen unendlichen Durst hatte ich glücklicherweise immer mit Wasser gestillt.

Durch Herrn Munninger bin ich auf die Selbsthilfegruppe in Schwabach aufmerksam geworden, und erst dadurch bin ich dem Diabetikerbund beigetreten. Dort habe ich von der Studie des neuen Insulin Lispro (Humalog®) erfahren, und bei dieser mitgemacht. Und habe dies seitdem in Gebrauch, obwohl es noch nicht zugelassen war. Ich wurde zu der Zeit zum zweiten Mal schwanger, mit Humalog® ließ sich das wesentlich besser händeln. Das war ein riesiges Glück.

Leider war ich in den letzten Jahren beruflich und privat stark eingespannt. Deshalb konnte ich nicht regelmäßig an den Treffen teilnehmen, habe aber immer alles verfolgt.