Berichte

Diabetes, Blase und Prostata

Unser erster Vortrag im neuen Treffpunkt - der AWO-Begegnungsstätte Röthenbach - © Brigitte Laue

Zu diesem Thema hatten wir die Urologin Frau Dr. med. Kristina Maier in die Röthenbacher Selbsthilfegruppe eingeladen.

Zunächst erklärte sie uns anhand von Bildern den Aufbau von Blase und Prostata. Danach ging sie auf die Störungen der Blase ein. Bis zu 50 % aller Diabetiker leiden darunter, Diabetiker trifft es doppelt so häufig wie Nichtdiabetiker.

Die häufigste urologische Störung ist die überaktive Blase. Diese äußert sich in starkem, nicht unterdrückbarem Harndrang, häufigem Wasserlassen (mehr als achtmal am Tag), mehrfach auch in der Nacht. 59 % der männlichen und 50 % der weiblichen Diabetiker sind hiervon betroffen. Neben Diabetes gibt es weitere Erkrankungen, bei denen die überaktive Blase gehäuft auftritt: z.B. Multiple Sklerose, Parkinson, Harnröhrenenge, Gebärmuttersenkung oder –vorfall.

Zur Behandlung werden verschiedene Therapien empfohlen, die von Lebensstiländerung über Gewichts- und Stuhlregulierung bis hin zum Blasentraining reichen. Beckenbodengymnastik kann der Arzt verordnen. Es gibt auch Medikamente in Tabletten- und Pflasterform. Sie dämpfen den Harndrang, haben aber viele Nebenwirkungen. Deshalb brechen über 35 % der Patienten diese Therapie innerhalb der ersten 12 Monate ab. Andere Medikamente erhöhen die Speicherfähigkeit der Blase – auch sie haben Nebenwirkungen.

Eine weitere Therapieform ist die Botox-Injektion in die Blasenwand. Dies erfordert einen kleinen medizinischen Eingriff. Das Nervengift führt nach zwei bis vier Wochen zur Teillähmung der Blasenmuskulatur. Die Harnblase kann nun mehr Urin speichern. Dieser Eingriff, der Risiken birgt, muss alle sechs bis neun Monate wiederholt werden.

Hier verliert der Patient das Gefühl für den Füllungszustand der Blase. Verspäteter Harndrang und Restharn sind die Folge. Die Blasenkapazität steigt, die Blase leiert regelrecht aus. Der Restharn ist ein geeigneter Nährboden für Krankheitskeime, die Harnwegsinfekte auslösen können. Der Urin kann sich bis in die Nieren zurück stauen und diese schädigen. Bei zu hohem Druck in der Blase kommt es zur Überlaufinkontinenz.
Gegen diese Form der Blasenentleerungsstörung ist „kein Kraut gewachsen“, d. h. es gibt kein wirksames Medikament. Therapiert wird deshalb mit regelmäßigem Katheterisieren oder einem „Blasenschrittmacher“.

Frauen treffen Blasenerkrankungen häufiger, Männer haben vermehrt mit Beschwerden der Prostata zu kämpfen. Meist handelt es sich hierbei um eine gutartige Prostatavergrößerung. Kastaniengroß ist die Prostata in jungen Jahren, im Alter wächst sie bis zu Apfelsinengröße heran. Damit sind die bekannten Beschwerden verbunden: Schmerzhafte Blasenentleerung (Miktion), erhöhte Miktionsfrequenz oder Dranginkontinenz. Entleerungsstörungen, wie geringer Harnstrahl, verlängerte Blasenentleerungszeit und Restharngefühl gehören auch dazu. Prostatavergrößerungen können medikamentös und operativ behandelt werden. Gute Vorsorge und jährliche Kontrolle helfen bei der frühzeitigen Erkennung und Behandlung. (Brigitte Laue)

Liebe Frau Dr. Maier, wir haben viel Neues erfahren. Vielen Dank für Ihren interessanten Vortrag. (bl)