Berichte

Corona, Kochen, Kopfüber - Pandemie-Schul-und Kita-“Ferien“, Tag 1

Eiinträchtig auf dem Trampolin © Dorothea Fading

Corona“ferien“ – während unsere beiden älteren Töchter schon eine Woche zuvor auf das kultusministerielle Schreiben hinsichtlich einer Schulschließung hin fieberten, graute es mir von Tag zu Tag mehr… Nun ist Tag 1 von mindestens fünf Wochen schul- und kitafrei.

Als Lehrerin muss ich aber trotzdem weiterarbeiten: Arbeitsblätter erstellen, über das Elternportal verschicken, alle korrigieren und wieder mit neuen Arbeitsaufträgen versehen korrigiert an jeden einzelnen Schüler zurückschicken. Dies bedeutet ohnehin schon einen deutlichen Mehraufwand im Vergleich zum normalen Unterricht. Wenn man aber gleichzeitig noch vier Kinder zu betreuen hat, wird diese Aufgabe schier ein Ding der Unmöglichkeit.

„Aber Deine beiden Töchter sind doch bestimmt eine große Hilfe“, bekomme ich von allen Seiten immer wieder zu hören. Im „noch mehr Wäscheproduzieren und Nerven kosten“ sind sie mit Sicherheit sehr talentiert, im „Arbeiten übernehmen“ leider ausgesprochen wenig.

Da ich vormittags gut mit dem Unterhaltungsprogramm der Zwillinge (der eine möchte unbedingt raus, der andere im Keller werkeln), dem Onlineunterricht und der zu erledigenden Wäsche beschäftigt war, bat ich unsere Älteste, zum Mittagessen Béchamelkartoffeln zuzubereiten. Die Kartoffeln hatte ich ihr bereits gekocht in die Küche gestellt - unter großem, angestrengtem Stöhnen hatte sie sich an das Schälen selbiger gemacht. Nach einer Stunde lagen immerhin alle Kartoffeln geschält vor ihr und sie konnte sich schließlich an die Zubereitung der Béchamelsauce machen.

„Die Kartoffeln anschließend zugedeckt 15 Minuten in der Sauce simmern lassen.“ las unsere 16-jährige Tochter halblaut vor. Als ich kurz danach zu ihr in die Küche kam, schrie ich diese konsterniert an: „Katharina, ich glaube, ich sehe nicht recht, du darfst die Kartoffeln doch nicht mit einem Geschirrtuch abdecken!“ Und so hatte unsere liebe Kathi statt eines Deckels der „Einfachheit“ halber ein Geschirrtuch, das ich wenige Minuten zuvor frisch gewaschen in die Küche gehängt hatte, zum Abdecken genommen. Das schöne türkisfarbene Geschirrtuch war somit durchtränkt von einer sämigen Sahnespecksauce…

Tagsüber arbeiten? Unmöglich!

Da unsere Zwillingssöhne permanent stritten, hatte ich mein dringend erforderliches Arbeiten resigniert auf die Nachtstunden verschoben. Ich motivierte stattdessen alle zu einem Spaziergang. „Ich geh aber nur raus, wenn ich rollerbladen darf“ verkündete Franzi. „Ich nehm das Laufrad“ schrie Korbi. „Ich will überhaupt nicht raus“ merkte Kathi an. „Ich will auch rollerbladen“ krakelte Vinzi, der am Tag zuvor das erste Mal auf Inlinern gestanden hatte. Da ich keine Nerven hatte, jedem Kind in eine andere Richtung nachrennen zu müssen, dabei den auf Rollerblades sehr wackligen Vinzenz immer an der Hand, untersagte ich diktatorisch die Mitnahme jeglicher Fahrzeuge und wir starteten unter lautstarkem Protest unseren Spaziergang um den Entenweiher.
„Aber da will ich nicht hingehen“ maulte Korbinian, „ich will zu dem See mit dem blauen Ding da.“ Je weniger ich verstand, was er meinte, desto erzürnter wurde dieser, bis sich herausstellte, dass er nun unbedingt sofort zum Badesee laufen wolle. Dies wäre aber viel zu weit gewesen, musste ich doch eine Stunde später bereits das Abendessen fertig haben.

Mit Hilfe meiner gesamten Überredungskünste gelang es mir schließlich, Korbi zum Weitergehen zu bewegen. Der Spaziergehfluss hielt allerdings nur wenige Minuten an, da wir an einem Straßensperrgitter vorbeikamen, an dem Vinzi unbedingt seine akrobatischen Fähigkeiten unter Beweis stellen musste: ein Umschlag kopfüber, der zweite Umschlag kopfüber und in dem Moment, in dem ich Vinzi noch warnen wollte, machte es bereits einen lauten Bums - der arme Kerl war direkt auf seinem Kopf gelandet, das Geschrei war groß. Nachdem er sich wieder halbwegs beruhigt hatte und auf meinen Schultern getragen den Ausblick genoss, musste Korbi die Idylle etwas durcheinanderbringen. Trotz mehrmaliger Ermahnung, endlich weiterzugehen, spielte er an dem Wahlplakat rum, das an einem Zaum befestigt war, bis er irgendwann laut aufschrie, hatte er sich doch nun im Zaun verhakt und seinen ganzen Zeigefinger eingequetscht.

Mit einiger Verspätung erreichten wir endlich unser Zuhause und genossen das Abendessen ohne größere Zwischenfälle. Wir gingen mit den Jungs auf deren Bitten trotz der späten Abendstunden noch einmal vor die Tür. Weit kamen wir dabei allerdings nicht. Die Jungs waren beide so überdreht, dass sie voller Freude immer im Kreis liefen - immer schneller, immer wilder, bis ein großer Knall zu hören war und danach ohrenbetäubendes Schmerzgeschrei: Die beiden waren mit voller Wucht mit dem Kopf aneinandergestoßen. Vinzis Brille hatte durch den Aufprall an Korbis Stirn eine tiefe, blutende Wunde hinterlassen und war ziemlich verbogen, auf beiden Stirnen konnte man zusehen, wie die Beulen minütlich wuchsen.

Bilanz des ersten Tages zu Hause: glücklicherweise keine Anzeichen einer Viruserkrankung, dafür eine kaputte Brille, zwei Beulen an der Stirn, eine blutende Wunde bei Korbi, eine Prellung am Hinterkopf bei Vinzi und ein gequetschter Zeigefinger bei Korbi. (Dorothea Fading)