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Uns alle verbindet „Diabetes“ – entweder sind wir selbst betroffen oder wir sind Familienangehörige, auch „Typ F“ genannt. Unser Leben hat sich irgendwann mehr oder weniger radikal durch Diabetes verändert: Wir mussten uns in die Diagnose einfinden, viel Neues lernen z.B. über die Zusammensetzung und Berechnung von Nahrungsmitteln, zu Medikamenten, evtl. Blutzuckermessen und Insulinspritzen, den Umgang mit technischen Hilfsmitteln wie Pens, Insulinpumpen, CGM-Systemen… Es stellte sich nicht die Frage, ob wir das wollen oder können. Die Krankheit war da und sie wird uns begleiten. Es half nur nach vorne schauen, Lösungen und Wege finden – immer wieder aufs Neue.

Dabei helfen uns allen oft die Selbsthilfegruppen, in denen wir auf offene, verständnisvolle Ohren stoßen, in denen wir uns gegenseitig durch den Erfahrungsschatz aller helfen. Ich selbst habe unglaublich viel von „meiner“ Selbsthilfegruppe profitiert, in der ich vor knapp 27 Jahren als Neu-Diabetes-Mama mit offenen Armen aufgenommen wurde. Seit einigen Jahren leite ich sie.

Und dann kam Corona! Im März 2019, zwei Tage vor unserem nächsten Elterntreff und mitten in der Planung des nächsten Familienevents: Lockdown 1 – nichts ging mehr, ab sofort stillgelegt. Wie alle Gruppen hoffte auch ich, es würde bald wieder ganz normal weiter gehen. Jetzt sind viele Monate ins Land gezogen. Wir sind nach dem Lockdown light ab Anfang November im 2. großen Lockdown angekommen. Es ist bis heute nicht „alles gut“ – und ein Ende nach wie vor nicht absehbar. Im Frühjahr bauten wir auf den Sommer, jetzt hoffen wir auf einen Impfstoff für alle – und das Ende des Winters, damit uns der Frühling wieder mehr Aktionen im Freien ermöglicht.

Nach vorne schauen, nicht aufgeben, Lösungen und Wege finden – immer wieder aufs Neue. Das gilt auch rund um die Pandemie!

Wir Selbsthilfegruppenleiter haben die vergangenen Monate ständig umgeplant, spontan reagiert, im Sommer Treffen ins Freie verlegt oder durch Ausflüge ersetzt. Jetzt im Winter und mit den hohen Zahlen fragen wir uns: Wie kann ich planen? Was ist möglich? Lohnt sich die Vorbereitung oder muss ich aufgrund der dann aktuellen Zahlen in buchstäblich letzter Minute das Treffen absagen? Wann habe ich überhaupt wieder Planungssicherheit? Lohnt sich die Suche nach einem größeren Ausweichquartier, das natürlich auch bezahlbar sein muss? Macht es Sinn, Referenten anzufragen? Wie kann ich meinen Gruppenteilnehmern auch jetzt helfen? Wie sie noch besser vernetzen? Doch mal oder mehr mit virtuellen Video-Treffen experimentieren? Wird das angenommen? Kann das Präsenztreffen ersetzen, wenigstens temporär?

Die EINE Lösung für alle Gruppen gibt es nicht - wir sind alle zu verschieden. Viele Gruppen haben wegen der Ungewissheit und aufgrund vieler Mitglieder mit hohen Risiko direkt eine verlängerte Winterpause beschlossen. Ich hoffe, dass im Winter wenigstens das Familienevent Eislaufen im Freien möglich sein wird – wenn die Eislaufstadien offen sind! Wir werden jedenfalls via elektronischer Medien und Telefonie in Kontakt bleiben, versprochen!

Die Pandemie zieht sich und fordert sehr viel von uns allen. Doch ich bin davon überzeugt: Irgendwann werden wir sie überwunden haben. Halten wir alle durch, passen auf uns, unsere Lieben und unsere Nachbarn auf und helfen – mit Abstand – zusammen, so gut es nur irgend geht. Ich danke allen, die in irgendeiner Form ehrenamtlich aktiv sind – ob hier bei uns im Diabetikerbund Bayern oder für eine andere gute Sache - es gibt unzählige Möglichkeiten.

Ich wünsche uns allen frohe Weihnachten und einen guten Start in ein gesundes, positives Jahr 2021, in dem wir es schaffen, die gebotenen Herausforderungen gemeinsam und friedlich zu meistern.

Ihre
Marion Köstlmeier