Berichte

65 Jahre Diabetes-Selbsthilfe in Bayern

Festrednerin Barbara Stamm, Bayerische Landtagspräsidentin a.D. © Kilian Heinrich

v.li.: Festrednerin Barbara Stamm, Dr. Hans-Peter Hubmann (Bayerischer Apothekerverband), Ruth Nowak (Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege), Hermann Frank und Annette Graf (Jubilare), Bernd Franz (Vorstandsvorsitzender), Dr. Dietmar Blechschmidt (Jubilar), Dieter Meier (Beisitzer), Elisabeth Preisinger-Franz, Verena Hädrich (stellv. Vorstandsvorsitzende und Schatzmeisterin), Marion Köstlmeier (stellv. Vorstandsvorsitzende), Uwe Lödel (Beisitzer) © Elke Popp

Blick in den Festabend - gemeinsames Feiern, angeregte Unterhaltungen © Kilian Heinrich

Medley der Camp-Betreuer © Marion Köstlmeier

Die Gäste können kommen! © Kilian Heinrich

Rückblick auf den Festabend am 12. September in Kulmbach

Das haben wir am 12. September 2020 im Kommunbräu in Kulmbach gefeiert – mit geladenen Gästen, Selbsthilfegruppenleitern und Mitgliedern, natürlich unter Einhaltung eines strengen Hygienekonzeptes.

Bernd Franz, Vorstandsvorsitzender, begrüßte alle Gäste, blickte auf 65 Jahre Selbsthilfe und besonders die 18 Jahre, die er mitgestalten durfte, zurück. Er erinnerte an wichtige Meilensteine, die durch den Einsatz der Selbsthilfe erreicht wurden. Bei den anwesenden Politikern beklagte er den geringen Stellenwert der Selbsthilfe und mahnte Besserung für die Zukunft an.

Anschließend übergab er das Wort an Barbara Stamm, Bayerische Landtagspräsidentin a.D., Festrednerin des Abends. Sie würdigte die langjährige Arbeit des Verbands und beleuchtete einige Stationen der Zusammenarbeit mit Bernd Franz und dem Diabetikerbund Bayern: „Eine Freundin kommt zu Freunden“. Sie dankte allen Aktiven, die durch ihr Engagement in den vergangenen 65 Jahren Großartiges erreicht haben: Der Diabetikerbund Bayern hat viel bewegt! Sie stimmte Bernd Franz zu – der Stellenwert der Selbsthilfe im Freistaat muss von der Politik gestärkt werden. Dafür habe sie sich in ihrer aktiven Zeit im Landtag immer eingesetzt.

Sie berichtete, wie sie selbst von der Selbsthilfe profitiert hat. „Gesundheit ist ein hohes Gut. Viele vergessen, dass sie in der nächsten Sekunde für jedermann vorbei sein kann – niemand ist hiervor gefeit!“ Selbsthilfe hat ihr persönlich sehr geholfen – Gemeinschaft, Verständnis, Achtsamkeit, Auffangen und Aufgefangen werden, Erfahrung, Fachkompetenz – all dies habe sie in der Selbsthilfe gefunden.

Sie betonte: Wir müssen immer den gesamten Menschen sehen, mit seiner Psyche, in und mit seinem persönlichen Umfeld. Die Würde des Menschen sollte immer im Mittelpunkt stehen, nicht die Frage, was ein Mensch kosten darf. Sie mahnte aber auch Eigenverantwortung an. Zudem müsse sich jeder von uns fragen: Was kann ich für die Gemeinschaft beitragen?

Vergelt‘s Gott allen Aktiven

Sie schloss mit einem herzlichen „Vergelt’s Gott“ an „Bernd, Elisabeth und alle, die in den 65 Jahren zum Erfolg des Diabetikerbund Bayern beigetragen haben. Machen Sie weiter so!“ gab sie allen Aktiven mit auf den Weg.

Es folgte Ruth Nowak. Sie überbrachte Grüße, Glückwünsche und den Dank an alle Ehrenamtlichen von Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, die terminlich verhindert war. Der Diabetikerbund Bayern sei ein fester Begriff im Ministerium – es gäbe keinen Weg an ihm vorbei. Seine Forderungen und Wünsche seien im Ministerium präsent. Das gälte auch für das Thema Finanzierung – auch sie gab zu, es könne und sollte mehr sein, aber…

Landrat Klaus Peter Söllner, der die kurzfristige Verhinderung von Bezirkstagspräsident Henry Schramm entschuldigte und auch dessen gute Wünsche überbrachte, freute sich, hier ebenfalls Grußworte sprechen zu dürfen. Er war heilfroh über die damals aktuell regional geringen Corona-Zahlen – nur deshalb konnte er eine solche Veranstaltung zulassen. Auch er betonte: „Wir wissen, was wir am Diabetikerbund Bayern haben!“
Oberbürgermeister Ingo Lehmann schloss sich seinen Vorrednern an. 65 Jahre seien einer besonderen Ehre wert. „Sie können stolz auf das Geleistete sein. Diabetiker wissen, wohin sie sich wenden können, wo sie Hilfe und Unterstützung erfahren.“

Claudia Friedel, Paritätischer Wohlfahrtsverband Bayern, richtete beste Grüße von Margit Berndl aus. Die Selbsthilfe sei tief im Paritätischen verwurzelt. Mit 65 könnte man an Rente denken – nicht so der Diabetikerbund Bayern, der weiter mit Elan, Energie und Engagement voranschreitet. Selbsthilfe ist wichtige gelebte Erfahrung, die geteilt und weitergegeben wird – ein wertvoller, großer Schatz, von dem andere profitieren.

Überraschung des Camp-Teams

Nach den Grußworten gab es eine Überraschung für alle: Das Betreuerteam des DiabetesCamps 2020 ermöglichte mittels zweier eigens dafür getexteten und kurzfristig einstudierten Songs einen interessanten Einblick ins Campleben mit 50 Kindern und Jugendlichen.

Ein weiterer Höhepunkt war die Verleihung der Leo-Malcherczyk-Medaillen 2020. Die Preisträger sind: Bernd Franz (Gold) und Elisabeth Preisinger-Franz (Silber)!

Es folgte die Ehrung von langjährigen Mitgliedsjubilaren. Allen Jubilaren mit 40, 50, 60 oder 65 Jahre Mitgliedschaft war zu Jahresbeginn die Ehrung auf dem Festabend angeboten worden. Viele haben auf eine öffentliche Ehrung verzichtet bzw. kurzfristig aus Vorsicht vor Corona abgesagt. Besonders bedauerte Bernd Franz die Absage von Gerlinde Wochermaier, ehemalige Vorstandskollegin. Wir hätten sie alle gerne wiedergesehen und persönlich geehrt.

Im großen Kreis wurden für jeweils 50 Jahre Mitgliedschaft im Diabetikerbund Bayern Dr. Dietmar Blechschmidt aus Nördlingen, Annette Graf aus Regenstauf und Hermann Frank aus Burgoberbach geehrt. Sie sind uns ein Vorbild – denn alle haben mehr als ein halbes Jahrhundert Leben mit Diabetes gemeistert! Wir dankten ihnen für ihre Treue – und sie dankten dem Verband für das Wissen, die Unterstützung und die Interessenvertretung: All dies habe ihnen in diesen vielen Jahren sehr geholfen.

Durchs Programm des Abends führten Marcelini & Oskar, das musikalische Rahmenprogramm gestaltete die Band „BA Spezial“ aus Bamberg.

Natürlich kamen Speis und Trank nicht zu kurz. Miteinander wurde gefeiert und auf hoffentlich noch viele weitere Jahre gemeinsamen Einsatzes zum Wohle und für die Belange von Diabetikern und ihren Familien angestoßen!

 

Grußwort Lutz Graf zu Dohna

Lieber Bernd, liebe Vorstandsmitglieder, Diabetikerbund-Mitarbeiter und Mitglieder!

Über Eure Jubiläumseinladung habe ich mich von ganzem Herzen gefreut! Ich werde und bin gedanklich viel bei meinem ersten Landesverband, denn von Bayern aus hat mein Diabetikerverbands-Dasein schließlich seinen Anfang genommen.

Seit vier Jahren pflege/kümmere ich mich nun um meinen Vater (92-jährig und Diabetiker) - rund um die Uhr, Tag für Tag, sieben Tage die Woche und führe den Haushalt ... Leider ist aus meiner Prävalenz zwischenzeitlich auch ein tatsächlicher Diabetes Typ 2 geworden. Ich denke viel an das, was ich beim DDB gelernt habe und ziehe den Hut vor denen, die einen Pflegedienst managen bzw. selbst in der Pflege aktiv sind. Sehe und spüre ich doch nun, was es für einen Pflegenden bedeutet, für einen Diabetiker Tag und Nacht da zu sein.

Leider hat sich für mich keine geeignete Vertretung zu Eurer Jubiläumsfeier organisieren lassen, die auch die nächtliche „Überwachung“ … übernehmen kann.

Dank Corona ist auch eine Kurzzeitpflege momentan keine Alternative. Ich bitte daher meine Verhinderung bei Euch allen zu entschuldigen und es bleibt mir nur, Euch ein freudiges Gelingen und Feiern Eures Jubiläums zu wünschen. In Bayern weiß man eben noch, wie man nach getaner Arbeit auch zu feiern versteht (obwohl die „privaten“ Abende beim Deutschen Diabetiker Tag in verschiedenen Restaurants auch nicht gerade langweilig waren). 65 Jahre, das ist schon eine Leistung!

1000 Dank für Eure stete Unterstützung und Beistand – ich denke dabei sehr an die verbindliche und herzliche Zusammenarbeit, Euer schnelles und pragmatisches Vorgehen, oder offenes Ohr, wenn es darum ging, Probleme anzugehen ... … [z.B. Vertretung des DDB bei der (DDG) Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in München durch Herrn Kahle, während der Bundesvorstand des DDB zeitgleich beim Deutschen Diabetiker Tag in Kassel war …]. Auch wenn Bayern stets seinen eigenen Weg gegangen ist, konnte ich mich stets auf Euch verlassen – nach der Maxime, „erst die Kuh vom Eis holen, dann die Formalitäten“! Eben wie es in einer großen Familie sein soll und wie es eben der DDB-Bundesverband mit seinen Landesvorständen seinerzeit für mich mit all seinen Hoch und Tiefs war.

Gerne denke ich an Euch, an Anita, München mit Frau Köstlmeier (in der Beratungsstelle von Anita … und Bayern – und es werden auch wieder Tage kommen, an denen ich „Herr über meine eigene Zeit“ sein werde und wir uns alle wiedersehen – ganz einfach, von Mensch zu Mensch, von Betroffenem zu Betroffenem und in alter Verbundenheit!

Mit besten Grüßen und Wünschen aus dem Schwarzwald!
Bleibt gesund!
Euer Lutz