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50 Jahre Mitgliedschaft, 80 Jahre Diabetes Wolfgang Eichner geehrt

Marion Köstlmeier überreicht Jubilar Wolfgang Eichner die Urkunde für 50 Jahre Mitgliedschaft

Herr Eichner ist heute 91 Jahre alt – Typ-1-Diabetes begleitet ihn seit 80 Jahren! Wegen seiner gesundheitlichen Einschränkung sind ihm Selbsthilfegruppenbesuche heute nicht mehr möglich. Deshalb ehrten ihn Marion Köstlmeier, stellv. Vorstandsvorsitzende, und Johann Kahle, ehem. stellv. Vorstandsvorsitzender, zuhause.

Noch vor dem Krieg erkrankte Herr Eichner an Typ-1-Diabetes. Er erinnert sich gut: In den Kriegsjahren war die Versorgung mit Insulin kein Problem, die Jahre danach dagegen schon: Die zugeteilte Ration, jeweils für zwei Wochen eine Flasche, war für seinen Bedarf viel zu gering. Es wurden Kohlenhydrate gespart, damit weniger Insulin nötig war. Aber auch damit reichte es nicht: Sein Vater tauschte Naturalien gegen Insulin ein und sicherte so das Überleben seines Sohnes. Deshalb ist es für Herrn Eichner schwer zu ertragen, dass heute viel Insulin weggeworfen wird, z.B. nach dem Wechsel auf ein anderes Insulin.

Noch in guter Erinnerung sind ihm die zahlreichen Arztbesuche zur Einstellung: Jeder Montag war „Arzt-Tag“. Das hieß: auf dem Weg zur Schule zum Arzt, danach gleich wieder – immer zur Blutentnahme. Anschließend hieß es „Warten auf das Ergebnis“, gepaart mit dem Hoffen, dass alles passte, denn: war der Wert zu hoch, wurde er oft zu Unrecht beschuldigt: „Du hast zu viel oder etwas falsches gegessen oder getrunken!“ Wir alle, die heute ganz selbstverständlich unseren Blutzucker messen, wissen sehr gut: Auch wenn man alles richtig macht, liegt der Blutzuckerwert oft nicht im Zielbereich! Verständlich, dass er diesen wichtigen Arztbesuchen nicht freudig entgegen sah.

Viele Jahre seines Lebens mit Diabetes waren von großer Disziplin sowie zahlreichen Ver- und Geboten geprägt. Viele Lebensmittel waren für Diabetiker einfach verboten, z.B. der Krapfen, den er sich heute zur Faschingszeit schmecken lässt – damals undenkbar. Auch der Tagesablauf war mit den festen Essenszeiten genau durchgetaktet.

Welch ein Segen waren die Einmalspritzen – damals noch mit viel längeren und dickeren Nadeln als heute, aber sehr viel kleiner als die schnell stumpfen Nadeln der Glasspritzen, die regelmäßig ausgekocht werden mussten. Anfangs in Deutschland nicht verfügbar, beschafften sie Bekannte und Verwandte im Ausland.

Was für ein Schritt war die Blutzuckerselbstmessung. Damals waren nicht wenige Ärzte sehr zurückhaltend, ihren Patienten diese Möglichkeit zu geben und ihnen damit die Therapieverantwortung zu übertragen. Das hieß für die Ärzte, Kontrolle und Verantwortung abzugeben – nicht für jeden einfach.

Danach kamen die Insulinpumpen, heute nutzt er zur Blutzuckerüberwachung einen Freestyle Libre®. Das Leben sei in den 80 Jahren mit Diabetes sehr viel einfacher geworden, so Herr Eichner.

Oft hat er von der Mitgliedschaft profitiert, war bei Gruppentreffen, Diabetikertagen und anderen Veranstaltungen. Er hat im Austausch mit anderen immer wieder Neues erfahren. Jetzt, da ihm dies nicht mehr möglich ist, fehlt ihm das sehr. Sein Appell an andere: Nehmt solche Möglichkeiten wahr!