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Diabetiker zu unflexibel?

Wer gut versorgt sein will, soll Wohnort wechseln! Das war eine Aussage während der Podiumsdiskussion auf dem Landes-Diabetestag Aschaffenburg. Teilnehmer waren Dr. Michael Spitzbart, Allgemeinmediziner aus Bad Aibling, Dr. Gerhard Klausmann, Diabetologe aus Aschaffenburg, Bernd Franz, Landesvorsitzender des Diabetikerbund Bayern, Herr Griesbeck, AOK Aschaffenburg und Wolfgang Zöller, MdB (Bundestagsabgeordneter) und Patientenbeauftragter der Bundesregierung.

Moderiert von Martin Schwarzkopf vom „Main-Echo“ Aschaffenburg wurde rege und teils auch sehr heiß diskutiert. Thema war die Versorgungssituation der Diabetiker in Deutschland. „Die Versorgungssituation von Diabetikern in und um Aschaffenburg ist derzeit auf hohem Niveau gesichert“ sagte Dr. Klausmann. Aber er warnte auch davor, dass wir in Zukunft hinter manches Schwellenland zurück fallen werden, weil Patienten zunehmend wichtige Arzneimittel aufgrund der Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen vorenthalten würden. Davor warnte auch Bernd Franz, Landesvorsitzender des Diabetikerbund Bayern als Vertreter der Selbsthilfe. Wolfgang Zöller und Herr Griesbeck widersprachen – die Diabetiker müssten sich keine Sorgen machen. Chronisch Kranke seien auch zukünftig gut versorgt. Er forderte: Die Pharma-Industrie müsse dazu auch ihren Beitrag leisten.

Endlich: Antragsrecht im G-BA


Bernd Franz kritisierte, dass die Betroffenen, um die es eigentlich geht, viel zu wenig Gehör auf allen Entscheidungsebenen im Bund und Land fänden. Er sprach hier, unterstützt von Dr. Klausmann, konkret die Situation im G-BA (Gemeinsamen Bundesausschuss) an. Und hierzu hatte Herr Zöller echte Neuigkeiten: Ab sofort haben themenbezogene Vertreter ein Antragsrecht – diese Anträge müssen auch behandelt werden! Dafür hat der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) hart gekämpft! Und Herr Zöller hatte weitere News: Bis zum Sommer stellte er einen Nationalen Diabetesplan in Aussicht! Sinn eines Nationalen Diabetesplans ist unter anderem die Prävention und Früherkennung des Diabetes und die Versorgungsforschung.

Nationaler Aktionsplan in Aussicht

Herr Franz sprach auch eine immer wieder gestellte Frage von Patienten an: Warum erhalten Versicherte der AOK Bayern kein Lantus®, aber Levemir® und Versicherte der AOK Baden Württemberg kein Levemir®, dafür aber Lantus®? Die Wirkung der Insuline ist, so die Erfahrung von Patienten, nicht identisch und damit sind sie auch nicht austauschbar. Diese Tatsache überging Herr Griesback, AOK Aschaffenburg, elegant mit der Forderung an die Betroffenen zu mehr Flexibilität bis hin zum Wohnortwechsel!

Dr. Spitzbart hatte eine andere Lösung zur Medikamenten-Debatte: Er forderte den Verzicht auf Kohlenhydrate – damit könne man den Diabetes teils sogar ganz zurück drängen. Dieser radikale Vorschlag erhitzte die Gemüter des Publikums.

Das Fazit: Echte News waren das Antragsrecht der themenbezogenen Vertreter im G-BA, ein Schritt in die richtige Richtung, aber abstimmen und damit über ihre Versorgung mitentscheiden dürfen Patienten – die Finanziers des Systems – immer noch nicht. Auf den Nationalen Diabetesplan warten wir gespannt und sind jederzeit zur Mitwirkung bereit.
Wir Patienten haben uns wieder einmal Gehör verschafft und werden es unermüdlich weiter tun. 2.800 Besucher haben gezeigt, wie wichtig ihnen eine gute Versorgungsqualität ist.

veröffentlicht am 26. März 2013