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Diabeteswarnhund – die einzig mögliche Rettung?

In letzter Zeit erreichen uns vermehrt hilferufende Anfragen zu Spenden für betroffene Menschen, die einen sog. „Diabetikerwarnhund“ zur Erkennung gefährlicher Unterzuckerungen wünschen, denn die Krankenkassen lehnen eine Kostenübernahme für derlei lebende Hilfsmittel regelmäßig ab. Die Kosten für die Ausbildung eines solchen Hundes gehen in die Tausende.

Die Befürworter eines derartigen „Warnsystems“ – und das trägt keineswegs dazu bei, hier eine objektive Diskussion führen zu können – argumentieren nicht, sondern stellen es als gegeben hin, dass ein derartiger „Spezialhund“ die einzige Möglichkeit sei, dem betroffenen Kind lebensrettend zur Seite zu stehen. Bezeichnenderweise werden diese Hunde immer nur bei Kindern (hilflos, unschuldig, mehr zu bemitleiden als Erwachsene) als letzte Rettung aufgeführt. Die Begründungen sind sehr emotional gefärbt und in der Regel auch von wenig Wissen um die Zusammenhänge beim Diabetes begleitet. Immer wieder stößt man hier auf geradezu mystische Vorstellungen bei den Anpreisenden, die den Hund als einzigen wahren Freund des Menschen über alles erhöhen und ihn zum ultimativen Hilfsmittel erklären.

Doch betrachten wir einen solcherart geradezu verbrämten Hund einmal im Lichte der Tatsachen: Kann ein Hund in den Alltag (Arbeit/Schule) des Betroffenen/der Familie artgerecht integriert werden? Soll der Diabetes-Hund auch tagsüber begleiten? Vorab wäre zu klären, ob der Hund in Kindergarten / Schule / Uni / Arbeit / etc. mitgenommen und beim Diabetiker bleiben kann. Oder soll er doch nur nachts bei drohenden Unterzuckerungen anschlagen? Das relativiert natürlich die behauptete dringende Erfordernis für einen solchen Hund! Wie sieht‘s bei Freizeitaktivitäten aus, z. B. Sporthalle, Schwimmbad, Kino, Theater, etc.? Allein diese Fragen zeigen, dass der betroffene Diabetiker hier lediglich das Anhängsel seines Hundes wäre und da ein Hund in der Turnhalle, im Kino, im Theater, im Konzert, in der Schule, im Beruf nicht gerne gesehen wird, wären dem Menschen mit Diabetes und Hund, diese Ausschlüsse aus der Öffentlichkeit zuzumuten!?

Somit wäre der Hund der Grund für eine nicht zu bewältigende Inklusion, nicht die Erkrankung selbst. Diesen Aspekt machen sich die Förderer des Systems Diabeteswarnhund nicht bewusst.

Es gibt Systeme, die kein Fell und keinen treuen Hundeblick haben und auch nicht bellen, aber hervorragend funktionieren. Rund um die Uhr messen sie, ohne Einschränkungen am öffentlichen Leben für den, der Unterzuckerungen nicht rechtzeitig bemerkt, und für den diese deshalb gefährlich werden können. Es gibt Systeme, die dauerhaft messen und Warnsignale ausstoßen, wenn der Zuckergehalt in der Gewebeflüssigkeit schnell abfällt oder ein bestimmter, individuell zu programmierender Wert unterschritten wird. Diese sind unter dem Namen „CGM“ (kontinuierliche Glukose-Messung) bekannt und bei begründeter Notwendigkeit auch durch die Krankenkasse erstattungsfähig. Es gibt hier mehrere Anbieter dieser Dauer-Mess-Systeme. Teilweise werden Daten aus dem Messvorgang zur Kommunikation mit einer verwendeten Insulinpumpe zur Verfügung gestellt, bei einem kombinierten System stoppt die Insulinpumpe bei niedrigem Wert und fehlender Reaktion durch den Nutzer sogar für zwei Stunden jegliche Insulinzufuhr, um ein weiteres Fallen des Blutzuckers zu verhindern. In jedem Fall ist dies eine funktionierende und bewährte Methode, gefährliche Unterzuckerungen frühzeitig und sicher erkennen und vermeiden zu können und man steht dabei mit beiden Beinen und ohne Einschränkungen im (öffentlichen) Leben.

Diabetikerwarnhunde kosten viel Geld, CGM zugegebener Weise auch. Hier muss man abwägen: CGM ist rund um die Uhr nahezu ständig einsetzbar, ein Hund als Unterzuckermelder in jeder Lebenslage nicht.

Daher kämpfen wir, der Diabetikerbund Bayern e.V. gemeinsam für einen leichteren Zugang zu CGM-Systemen für all diejenigen, die es benötigen.

Hunde mögen wir auch und schätzen sie als wunderbare Haustiere und so mancher von uns hat im Familienhund einen wahren Seelentröster gefunden, dem man jede Menge Frust und Kummer – auch über nicht passende Blutzuckerwerte – ins Fell heulen kann. Manche von ihnen sind wahre Naturtalente und erkennen Unterzucker von ganz alleine.

veröffentlicht am 05. Februar 2014

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