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DiabetesCamp Rauenstein 2013: Wir kommen wieder - Teil 2

Hier noch mehr zum DiabetesCamp Rauenstein im vergangenen August:


Organisation

Wer fragt sich bei so vielen Teilnehmern, Aktivitäten und Ausflügen nicht, wie ein solches Diabetes-Sommercamp überhaupt gemanagt werden kann? Stimmt! Es erfordert eine generalstabsmäßige Vorbereitung und eine zeitnahe, konsequente Führung an jedem Camp-Tag nahezu rund um die Uhr.
Horst Neubauer bewies in der Funktion als Camp-Leiter seine vielseitigen Qualitäten: kompetent, vorausschauend und stets zuverlässig plante er jeden einzelnen Camp-Tag, erstellte Tagespläne, Hüttenbelegungslisten, Gruppeneinteilungen, Einsatzpläne für jeden Betreuer, Spül- und Putzpläne und vieles mehr. Dabei hatte er immer ein offenes Ohr für die individuellen Anliegen von Groß und Klein. Last but not least schaffte er es mit bewundernswerter Ruhe und Gelassenheit, Meinungsverschiedenheiten und Konflikte zu entschärfen.

Zur erfolgreichen Durchführung einer solchen Großveranstaltung bedarf es selbstverständlich auch einer ausreichenden Finanzierung. Hier zeichnete sich das Team um Landesvorstand Bernd Franz verantwortlich, verfügbare Fördertöpfe auszunutzen und verschiedene Sponsoren um Unterstützung zu bitten. Besonders stolz ist der Diabetikerbund Bayern, dass es in diesem Jahr zum ersten Mal gelang, die Aktion Mensch als Förderer zu gewinnen. Ein dickes Dankeschön an alle genannten und ungenannten Sponsoren sowie an all diejenigen, die sich um die Finanzierbarkeit des Camps verdient gemacht haben.

Betreuerteam

Jede/r Betreuer/in war für eine Hütte mit fünf bis sieben Kindern rund um die Uhr zuständig. Dabei waren alle Qualitäten gefordert, die auch im alltäglichen Familienleben von Mutter oder Vater erwartet werden: vom morgendlichen Wecken, über Tipps zur angemessenen Bekleidung und zum Rucksackpacken je nach geplanter Aktivität, Hüttenordnung halten und ggfs. erforderliche Erinnerungen an die persönliche Hygiene verteilen bis hin zum Trost spenden beim Nichtauffinden des Lieblingskuscheltiers, aufkommenden Heimwehs oder auch um Konflikte zu lösen. Dass diese in einer derart großen Gruppe nicht ausbleiben, war allen von Anfang an klar. Umso schöner war es zu erleben, wie zunächst heftige Meinungsverschiedenheiten schließlich doch sachlich und für alle Beteiligten akzeptabel geklärt werden konnten.

Diabetes-Betreuung

Die Diabetes-Betreuung wurde mit viel Herzblut und stets zuverlässig von den Diabetes-Beraterinnen Imke, Christa und Heike geleistet. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kümmerten sie sich hochmotiviert und geduldig um Ihre Schützlinge.
Die im vorigen Jahr entwickelten Blutzuckertagebücher bewiesen hier erneut ihren Nutzen. Mithilfe der bereits eine Woche vor Beginn des Kompetenz-Trainings zuhause geführten Tagesprotokolle und dem individuellen Anpassungsplan konnten sich alle schnell einen Überblick über die Diabetes-Therapie jedes Teilnehmers verschaffen.

Jeweils vor den Hauptmahlzeiten wurde in den Hütten der aktuelle Blutzucker gemessen, die erforderliche Insulindosierung abgesprochen und die Tagesprotokolle ergänzt. Zwischen den Mahlzeiten wurden Blutzuckertests im Rahmen des Programmablaufs bzw. individuell durchgeführt, ebenso vor dem Schlafengehen. Für viele TeilnehmerInnen erwiesen sich außerdem die regelmäßigen nächtlichen Blutzuckermessungen incl. der ggfs. erforderlichen Korrekturen um ca. zwei Uhr als nützlich.

Durch die turnusmäßigen Blutzuckermessungen in relativ kurzen Intervallen wurden zwar die üblichen Schwankungen nicht vermieden. Schwere Entgleisungen konnten aber durch die frühzeitige Reaktion auf die gemessenen Werte nahezu ausgeschlossen werden.

Mit viel Kompetenz und behutsamem Einfühlungsvermögen schafften es die Diabetes-Beraterinnen stets, das individuelle Wissen um die eigene Diabetes-Therapie zu nutzen und gleichzeitig Tipps zur Optimierung zu geben. Und es gelang ihnen sogar, bislang hartnäckige Pumpen- oder Stahlkatheterverweigerer zum Testen zu überzeugen! Einige Teilnehmer hatten während des Kompetenztrainings mit Anleitung der Diabetes-Beraterinnen die Möglichkeit, einen Sensor zur kontinuierlichen Glukose-Messung auszuprobieren. Sicherlich eine zukunftsweisende Entwicklung in der Überwachung der individuellen Blutzuckerverläufe!

Verköstigung

Von „Verpflegung“ zu berichten, wäre angesichts der Köstlichkeiten, die das Küchenteam unter Leitung von Elisabeth Preisinger-Franz mehrfach täglich zubereitet hatte, schlicht untertrieben!

Früh morgens waren die Küchenfeen Roswitha, Petra, Doris und Anita sowie Dieter – der Chef an der Spülmaschine und zuständig für alle schweren Arbeiten wie Kaiserschmarrnteig zubereiten mit einem Mixer in Bohrmaschinengröße – am Werkeln. Pünktlich um acht Uhr war das sechs Meter lange Frühstücksbuffet bestückt mit allem, was es zu einem gesunden, vielseitigen Start in den Tag braucht. Direkt nach dem Frühstück starteten die Vorbereitungen fürs Mittagessen. Und was für Köstlichkeiten da auf dem Speiseplan standen: Paniertes Schnitzel mit Kartoffelsalat, Geschnetzeltes mit Reis, Reiberdatschi mit Apfelmus und Kompott, Spaghetti Bolognese und noch vieles mehr. Die köstlichen Salate waren dabei stets mehr als nur Beilage – ob Elisabeths Rezeptur für die leckeren Dressings immer noch geheim ist? Auch für das Abendessen hatte das Küchenteam immer feine Speisen parat: Ob es eine vielseitige Brotzeit mit Caprese (Tomate & Mozzarella), Gemüsesticks, Kartoffeln mit Kräuterquark gab oder Herzhaftes vom Grill gereicht wurde – die Camp-Teilnehmer waren stets pünktlich zur Stelle und ließen sich mit großem Appetit alles schmecken, ohne nennenswerte Reste übrig zu lassen.

Die besonderen Bedürfnisse bei Unverträglichkeiten wurden ebenfalls ausreichend berücksichtigt: zu allen Mahlzeiten wurden auch schmackhafte laktosefreie, glutenfreie und vegetarische Alternativen angeboten.
Frische, Qualität und Geschmack der Speisen wurden regelmäßig von allen sehr gelobt und so mancher kostete im Sommercamp Speisen und Zutaten, die zuhause nie in Frage gekommen wären. Ein außerordentlicher Dank an das gesamte Küchenteam für den bemerkenswerten Einsatz!

Sport & Spiel

Rugby, Fußball, Wasserspiele, Werwolf, Tischtennis und anderes waren feste Programmpunkte oder ergaben sich spontan. Nach Lust und Laune tobten sich die Teilnehmer aller Altersklassen miteinander aus. Schön war es zu beobachten, wie trotz allem Kampfgeist und Siegeswillen gegenseitig Rücksicht genommen wurde – insbesondere auch beim Rugbyspielen von Groß und Klein.
Der sportliche Höhepunkt der Woche waren in jedem Fall die Trainingseinheiten zu Teamgeist, Koordination und Kondition sowie Einführung in Karate und Kickboxen durch die Profisportler Anja Renfordt (mehrfache Weltmeisterin im Kickboxen) und Alexander Piel (mehrfacher Deutscher Meister im Karatesport) – und dabei beide ebenfalls Typ-1-Diabetiker.

Verschiedene Teamspiele zum Aufwärmen eröffneten den praktischen Teil, bevor einige Grundtechniken zur Fußarbeit, Armhaltung und Bewegungsabläufen vermittelt und eingeübt werden konnten. Nach einer schweißtreibenden Stunde bei herrlichem Sonnenschein waren sich alle einig, dass die Zeit viel zu schnell vergangen war und das Training gerne hätte fortgesetzt werden können.

In der anschließenden Fragestunde konnte alles gefragt werden, was von Interesse war. Neugierig erkundigten sich die Camp-Teilnehmer nach den Einzelheiten der Diabetes-Therapie im Profi-Trainingsalltag sowie im Wettkampf. Candy, der auf die Erkennung von Unterzuckerungen trainierte Hund von Anja Renfordt, war dabei ebenfalls von großem Interesse. Geduldig und ausführlich auf die Fragen eingehend beantworteten die beiden sympathischen Profisportler alles und berichteten über ihre Erfahrungen mit Diabetes und Profisport.

Als Fazit konnten alle die Erkenntnis mitnehmen, dass eine Profi-Sportkarriere mit Diabetes durchaus vereinbar ist. Für eine zielführende Diabetes-Therapie braucht es ebenso wie für die erfolgreiche Sportlerkarriere Ausdauer, Konsequenz und – ganz wesentlich - eine stabile Eigenmotivation trotz gelegentlicher Misserfolge.

Unterstützung erhielten Anja Renfordt und Alexander Piel vom Vorsitzenden des Deutschen Diabetiker Bundes, Dieter Möhler. Selbst aktiver Karateka trainierte er mit den Kindern und Jugendlichen. Im anschließenden Interview anlässlich der Dreharbeiten zum Image-Film des Diabetikerbund Bayern verriet Dieter Möhler, dass in seiner Kindheit vor über 40 Jahren die sportliche Betätigung mit Diabetes mellitus Typ 1 keinesfalls selbstverständlich war.

Abschlussabend

Das offizielle Programm des Kompetenztrainings endete mit einem stimmungsvollen Open-air-Abschlussabend, der gemeinsam von allen TeilnehmerInnen gestaltet wurde. Die Bewohner jeder Hütte hatten hierzu verschiedene Einlagen vorbereitet. Mit viel Einfallsreichtum wurden Pantomimen inszeniert, sportliche Wettkämpfe wie Schubkarrenlaufen, Sack hüpfen und Kinderpyramiden bestritten, Showtänze vorgeführt und eine Wasserschlacht veranstaltet. Zum großen Spaß der Zuschauer bewarfen dabei die Initiatoren mit viel Eifer und noch mehr Gelächter ausgewählte BetreuerInnen mit tropfnassen Schwämmen. Moderiert wurde der krönende Abschluss der Camp-Woche vom überragenden Camp-Leiter Horst Neubauer. Mit seinen fröhlich-lockeren Ansagen begeisterte er restlos alle. Zum fetzigen Ausklang des Abends trafen sich Groß und Klein auf der improvisierten Tanzfläche unter klarem Sternenhimmel, um zu aktueller Musik die Freude über die gelungene Camp-Woche rockend und tanzend zum Ausdruck zu bringen.

Wie begeistert das Kompetenztraining von den TeilnehmerInnen angenommen und erlebt wurde, demonstrierten einige bereits während der Woche: Lange vor offiziellem Camp-Ende hatten sie sich auf das Diabetes-Camp 2014 eingeschworen und dokumentierten dies eindrucksvoll auf ihren T-Shirt-Rücken. Andere empfingen ihre abholenden Eltern gleich mit den Worten „Das war so toll! Darf ich nächstes Jahr auch wieder ins Diabetes-Camp fahren?“ Kann es für die Betreuer-Mannschaft eine größere Motivation zum Weitermachen geben? Wohl kaum! (Video zum Camp)


In jedem Fall gebührt ein ganz herzlich-dickes Dankeschön all denjenigen, die vor oder hinter den Kulissen am Erfolg des Diabetes-Camps 2013 mitgewirkt haben! Auf ein Wiedersehen auf der Burg Wernfels im DiabetesCamp 2014! (Marianne Magg)

Vielen Dank allen Förderern des Diabetes-Camps

Wir danken allen Personen und Institutionen, die das Diabetes-Camp Rauenstein in irgendeiner Form unterstützt haben.

Ganz besonders bedanken wir uns für die finanzielle Förderung des Camps bei allen Förderern, die auf eine Nennung verzichtet haben, sowie

  • Arbeitsgemeinschaft (ARGE) gesetzliche Krankenkassen, Bayern
  • Bezirk Mittelfranken
  • Aktion Mensch

veröffentlicht am 19. Dezember 2013

Camp-Leiter Horst Neubauer in Aktion

Brotzeit mitten im Wald

Eine von vielen Schulungseinheiten in altersgerecht aufgeteilten Kleingruppen - dieses Mal im Freien

Es ist angerichtet - ein Beispielbuffet. Mit den Küchenchefs Elisabeth Preisinger-Franz und Bernd Franz

Es ist nie zu früh: Erste-Hilfe-Kurs

Ganz schön anstrengend diese Trainingseinheit mit Kickbox-Weltmeisterin Anja Renfordt

Alexander Piel, Deutscher Karate-Meister gibt wertvolle Tipps

Auch Dieter Möhler, aktiver Karateka und Bundesvorsitzender des DDB gibt sein Können gerne weiter

Und wieder eine Schulungseinheit

Nach der Mahlzeit spült jeder sein Geschirr - das klappt wunderbar

Jede(r) näht und stopft sich einen MUMA-Bär = Mutmacher-Bär