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Diabetes-Camp Rauenstein 2013: Wir kommen wieder! (1)

Das Sommercamp des Diabetikerbund Bayern hatte weit mehr zu bieten als trockene (geschätzte) Statistikdaten:

  •  1.500 Semmeln
  •  180 selbstgedrehte Kartoffelknödel
  •  350 Tagesprotokolle
  •  2.800 Blutzuckermessungen
  •  250 Rollen Toilettenpapier
  •  Kiloweise schnelle und langsame „Not“-BE


Rund 80 Camp-Begeisterte zwischen zwei und siebzig Jahren trafen sich im August zum diesjährigen Kompetenztraining im Ferienzentrum Rauenstein in Thüringen, Kreis Sonneberg. Die Mannschaft um die Camp-Leiter Bernd Franz, Vorsitzender des Diabetikerbunds Bayern, und Horst Neubauer, Landesjugendreferent und Vorsitzender des Jugendausschusses im Diabetikerbund Bayern, bildeten Küchenfeen und -meisterInnen, Diabetes-Beraterinnen und HüttenbetreuerInnen. Komplettiert wurde sie von Helfern für alles – vom Getränkedienst über Sportbetreuung und Logistik für dies und das bis hin zur musikalischen Gestaltung der Lagerfeuerabende. Ein kompetentes und gut eingespieltes Team, das sich eine Woche lang mit großem Engagement um 56 aufgeweckte Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 kümmerte. Wie erfolgreich die vorigen Camps waren, hatte sich weit herumgesprochen: so konnten dieses Jahr neben den bayerischen Teilnehmern Besucher aus Venezuela, Kroatien, Österreich, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg begrüßt werden.

Ferienzentrum Rauenstein

Mit dem Ferienzentrum Rauenstein hatte der Diabetikerbund Bayern eine optimale Schulungsanlage gefunden: idyllisch am Ortsrand von Rauenstein gelegen, reihten sich die Finnhütten über drei Ebenen an einem sonnigen Hang. Komfortabel ausgestattete „Nur-Dach-Häuser“ boten auf zwei Ebenen genug Platz für acht Personen. Im Talgrund warteten die großzügige Bewegungshalle - ausgestattet mit nützlicher Konferenztechnik - sowie der Speisesaal samt komplett eingerichteter Großküche auf ihre Besucher. Und die kamen gerne und mit großem Appetit. Während in der Bewegungshalle verschiedene Schulungseinheiten durchgeführt und sie ansonsten für Spiele aller Art genutzt wurde, war im Speisesaal nahezu rund um die Uhr Betrieb. Doch davon später mehr.

Angesichts des schönen Wetters begeisterte das direkt neben der Anlage gelegene öffentliche Freibad die Camp-Teilnehmer. Bei ca. 16°C frischen Quellwassers wagten sich dann aber doch nur die echten Wasserratten ins kühle Nass. Dankenswerter Weise „opferte“ sich Betreuerin und Rettungsschwimmerin Susi täglich, um die Eiswasserbegeisterten ins Becken zu begleiten, während Betreuer Guido – ebenfalls Inhaber des Rettungsschwimmerscheins – die Aufsicht am Beckenrand führte.

Ausflüge

Die südlichen Ausläufer des Thüringer Waldes luden zu verschiedenen Herausforderungen geradezu ein. Die erste führte in zwei Gruppen durch das Tal hinaus zum Goldmuseum in Theuern. Dort erwartete uns eine informative Führung durch das überschaubare, privat geführte Museum mit zahlreichen authentischen Ausstellungsstücken sowie viel Wissenswertem zu den Goldvorkommen in den Thüringer und auch in den Bayerischen Gewässern. Doch ohne die praktische Erfahrung wäre der Ausflug nur halb so schön gewesen. Nach dem Museumsbesuch konnten alle ihr Glück beim echten Goldwaschen versuchen. Zuerst hieß es allerdings aufmerksam zuschauen und den Erklärungen lauschen: Wie werden wohl die staubkorngroßen Goldstückchen aus einer Schaufel voll Bachkieseln und -sand heraus gespült? Mit Feuereifer machten sich alle ans Werk und wuschen, schwenkten und spülten in echten Waschpfannen – die einen, dynamisch mehrere Pfannen füllend, andere meditativ versunken, dem Kreiseln ihres Pfanneninhalts folgend. Erfolgreich waren (fast) alle und so konnte jeder stolz ein Röhrchen mit Goldstaub als Erinnerung behalten.

Eine ganztägige Wanderung folgte anderntags. Zwei ortskundige Führer lotsten die ganze Gruppe durch die herrlichen Wiesen und Wälder rund um Rauenstein bis zum Ziel, der Zinselhöhle. Dort angekommen, konnten alle Mutigen, die weder Enge, Nässe noch Dunkelheit scheuten, die Höhle in Kleingruppen unter sachkundiger Führung erkunden. Gut ausgestattet mit Gummistiefeln, Matschhosen, Umhängen, Helmen und starken Taschenlampen wagten sie sich in die Tiefe des Berges, um geraume Zeit später mit sichtlicher Begeisterung wieder im Tageslicht aufzutauchen. Währenddessen vergnügten sich die übrigen Camp-Teilnehmer mit verschiedenen Ballspielen, Seilspringen, Werwolf spielen und natürlich auch beim Chillen.

Hocherfreut wurde zur Mittagszeit das Küchenteam in Empfang genommen. In voller „Arbeitskleidung“ – lila T-Shirt und weißes Küchenhäubchen – fuhr die ganze Mannschaft mit PKW und Anhänger vor. Zusammen wurde blitzschnell alles für ein leckeres Picknick vorbereitet: ein Pavillon gegen Regenschauer, Tische und Bänke, Getränke und verschiedene Behälter mit Zutaten für Hamburger, Knabbergemüse und Obst. Nach Herzenslust konnte jeder sein Mittagessen zusammenstellen und so dauerte es nicht lange, bis alles verputzt war und die Gruppe satt und zufrieden den Rückweg antreten konnte.
Ein weiterer Ausflug führte in die örtliche Eisdiele. Nach kurzem Spaziergang durch Rauenstein war das Ziel erreicht. Dort ließen sich alle das italienische Eis gut schmecken und der Besitzer freute sich über den überraschenden Extra-Umsatz. Und für alle, die sich nach dem Abendessen gerne auch noch bewegen wollten, stand eine Nachtwanderung auf dem Programm. Ausgestattet mit Taschenlampen, Messgeräten und Not-BE marschierten die Camp-Teilnehmer durch den nächtlichen Wald und genossen anschließend die sternenklare Nacht auf der Höhe über Rauenstein. Ob die geheimen Wünsche beim Anblick der zahlreichen Sternschnuppen wahr geworden sind?

Schulungen

Zum Programm des Sommercamps gehörten ganz selbstverständlich verschiedene Schulungseinheiten rund um den Diabetes. Mit dem Ziel, die Kompetenz und Motivation der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen hinsichtlich ihrer individuellen Diabetes-Therapie zu stärken, wurden die Themenbereiche Hypoglykämie, Hyperglykämie/Ketoazidose sowie List & Tücke / Fehlerquellen beim Umgang mit Insulin und Diabetes-Zubehör besprochen. Bei diesen Schulungen zeigte sich wieder einmal, über welch umfangreiches Wissen die Camp-Teilnehmer bereits verfügten. So konnten Ursachen, Anzeichen, Vorbeugung und Behandlung von beginnenden Entgleisungen ebenso im gemeinsamen Gespräch erarbeitet werden wie die Aspekte zum optimalen Umgang mit Insulin, Stechhilfe, Pen, Pumpe & Co. Jeder Teilnehmer teilte seine individuellen Erfahrungen mit den anderen und nahm gleichzeitig Tipps und Anregungen auf. Eine weitere Schulungseinheit befasste sich mit der Einführung in Erste Hilfe incl. der stabilen Seitenlage bei Bewusstlosigkeit.

Neu im Schulungsprogramm des Diabetikerbund Bayern waren Einheiten zum Thema Selbstwertgefühl & Akzeptanz: In altersgerechten Gruppen wurde spielerisch in die Thematik eingeführt. Anschließend bearbeiteten jeweils vier bis fünf Teilnehmer ein selbstgewähltes Thema wie Diabetes und Eltern, Diabetes in Schule/Verein, Diabetes in der Freizeit, Diabetes und Diabetologe/Diabetesteam. Die älteren Teilnehmer befassten sich mit Themen wie Diabetes und Führerschein, Diabetes und Berufswahl, Diabetes und Freund/Freundin oder Diabetes und Party/Alkohol/Durchfeiern. Die Arbeit in Kleingruppen förderte den intensiven Gedankenaustausch, der bei der folgenden Vorstellung der Gruppenergebnisse im Plenum ergänzt wurde.

Die Camp-Teilnehmer waren sich einig, dass diese Themen bei künftigen Kompetenztrainings ausführlicher bearbeitet werden könnten, da gerade sie selten in den ambulanten Diabetes-Sprechstunden ausreichend behandelt würden.

Eine weitere Schulungssequenz wurde für Rollenspiele genutzt. In Kleingruppen konnten selbstgewählte Ereignisse rund um den Diabetes vorbereitet und in kurzen Szenen gespielt werden. Thema war hier z. B.: Wie motiviere ich meine beste Freundin/meinen besten Freund, bei der/dem ebenfalls Diabetes diagnostiziert wurde?“ oder „Wie erreiche ich durch ein Gespräch mit meinen Eltern mehr Unabhängigkeit/weniger Kontrolle?“ Trotz oder gerade wegen der Ernsthaftigkeit und Realitätsnähe der Themen zeigten sich die meisten Teilnehmer begeistert und hatten ihren Spaß beim Theaterproben und -spielen.
An dieser Stelle gebührt Dr. Dominik Stricker, niedergelassener Kinder- und Jugendarzt und Diabetologe in Regensburg, ein großer Dank für die intensive Vorbereitung und Durchführung dieser nicht alltäglichen Schulungseinheiten. (Marianne Magg)

Noch viel mehr gibt es zum Camp zu berichten, Fortsetzung hier. Wir empfehlen einen Blick ins Camp im Film.

Vielen Dank allen Förderern des Diabetes-Camps

Wir danken allen Personen und Institutionen, die das Diabetes-Camp Rauenstein in irgendeiner Form unterstützt haben.

Ganz besonders bedanken wir uns für die finanzielle Förderung des Camps bei allen Förderern, die auf eine Nennung verzichtet haben, sowie

  • Arbeitsgemeinschaft (ARGE) gesetzliche Krankenkassen, Bayern
  • Regierung von Mittelfranken
  • Aktion Mensch

 

 

veröffentlicht am 29. Oktober 2013

Auf zum Wandern!

Kreatives Hüttenschild einer Gruppe

Auf der Suche nach dem Gold

Unsere Wasserratten lassen sich auch vom eiskalten Wasser nicht abschrecken

Die komplette Gruppe inkl. Betreuer, Diabetesberater und Küchenteam

Das Küchenteam sorgt mittels mobiler Verpflegungsstation auch unterwegs fürs leibliche Wohl

Unser engagiertes Betreuer-Team

Danke für die großzügige Förderung

Danke für die großzügige Förderung