Berichte aus dem kontakt

„Wir wollen eine inklusive Gesellschaft“

Unter diesem Motto stand der „europaweite Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ am 5. Mai auf dem Münchner Marienplatz.

Organisiert und initiiert wurde die Veranstaltung von der Landesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihrer Angehörigen in Bayern e.V. – kurz: LAG Selbsthilfe Bayern.

Ca. 40 Mitgliedsverbände der LAG waren mit einem Info-Stand und teils Bühnen-Aktionen auf dem Marienplatz vertreten. Trotz widrigen Wetters – es war kalt und grau, morgens und kurz vor Schluss wurde es auch ungemütlich nass – informierten und interessierten sich doch viele Menschen.

Auch wir, der Diabetikerbund Bayern e.V., waren mit einem Info-Stand an der Mariensäule direkt vor Ort. Warum engagieren wir uns zu diesem Thema? Hier zitiere ich die Presseerklärung der LAG Bayern zur Veranstaltung:

„Im Kampf um die Gleichstellung von Menschen mit chronischer Krankheit und Behinderung haben wir in den letzten Jahren einiges erreicht. Das erlassene Bundesgleichstellungsgesetz und die Gleichstellungsgesetze in den Ländern sind zumindest Fundamente, das Menschen mit einer Behinderung als Bürger an den Angeboten des Staates möglichst ohne Barrieren teilnehmen und teilhaben können.

Mit der Ratifizierung der UN Behindertenrechtskonvention im Jahre 2009 hat sich die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, die dort formulierten Grundsätze einer inklusiven Gesellschaft umzusetzen.

Behinderte Menschen wollen eine inklusive Gesellschaft, in der Menschen mit einer chronischen Krankheit und Behinderung vom Kindergarten über die Schule bis ins Arbeitsleben von Anfang an möglichst ohne Sonderweg im gleichen Maß ausgebildet und gefördert werden. Inklusion bedeutet, dass auch Menschen mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung nicht wegen der Behinderung oder der Schwere der Behinderung von den gesellschaftlichen Angeboten und Teilhabemöglichkeiten ausgeschlossen werden.

Für „nichtbehinderte“ Kinder z.B. im Kindergarten und in der Schule führt die Auseinandersetzung bzw. das Miterleben, wie behinderte Kinder im Bildungs- und Lernprozess einbezogen werden, zu einer Stärkung der „sozialen Kompetenz“. Inklusion schafft die Möglichkeit für ein neues Verständnis und ein neues Bewusstsein im Verhältnis von behinderten und nichtbehinderten Menschen. Inklusion darf aber nicht bedeuten, die spezielle notwendige Förderung den chronisch kranken und behinderten Menschen zu versagen. Im Gegenteil: Alle am Inklusionsprozess beteiligten Personen sollen nach ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten von Anfang an gefördert werden.

Die Landesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE Bayern e. V. mit ihren 101 landesweit tätigen Verbänden und über 40 Münchner Selbsthilfeinitiativen wollen den europaweiten Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung zum Anlass nehmen, um auf die derzeitige Situation von Menschen mit chronischer Krankheit und Behinderung aufmerksam zu machen. Wie in den letzten Jahren soll durch Informationsstände und ein buntes Bühnenprogramm die Bevölkerung eingeladen werden, sich der neuen Herausforderung zu einer inklusiven Gesellschaft zu stellen.

Insbesondere an diesem Tag, an dem traditionell so viele chronisch kranke und behinderte Menschen am Marienplatz anzutreffen sind wie sonst an keinem Tag, bietet sich für die Bevölkerung und für die chronisch kranken Menschen die Gelegenheit, gegenseitig mehr voneinander zu erfahren.“

Von 10 bis 17 Uhr wurde neben den Info-Ständen ein vielfältiges Programm geboten: Moderator Christian Hanreich, vielen von Ihnen aus dem Radio bekannt, führte durch den Tag. Für musikalische Einlagen sorgten die „Blinden Musiker gGmbH“ und „Melting Pot“.

Nach der Eröffnung durch Reinhard Kirchner, Geschäftsführer der LAG Bayern, überbrachte Stadtrat Dr. Bauer die Grußworte des Schirmherrn Oberbürgermeister Christian Ude. Kurz nach 11 Uhr waren die Landespolitiker mit dem Behindertenbeauftragten der Landeshauptstadt München „dran“. Joachim Unterländer (CSU), Renate Ackermann (Bündnis 90/Die Grünen), Christa Steiger (SPD,) Günther Felbinger (Freie Wähler), Brigitte Meyer (FDP), alle aktiv im Ausschuss Soziales, und Oswald Utz, Behindertenbeauftragter der Landeshauptstadt München. Alle Politiker gaben Statements zum Thema Inklusion ab. Es ist zu hoffen, dass dieses Thema und die Ideen/Ansätze so engagiert wie hier vorgetragen über alle Parteien hinweg weiter verfolgt werden – nur dann kann sich wirklich etwas ändern.

Nach so viel Ernst, folgten zwei Tanz-Darbietungen von Integrationskindergärten. Der Nachmittag gehörte den teilnehmenden Organisationen, die Gelegenheit hatten, ihre Arbeit auf der Bühne kurz vorzustellen. Unterbrochen wurde dies durch die musikalischen Darbietungen der „Penny-Singers“ (Chor der Pfennigparade) und des Kindergebärdenchors.

So nass wie die Veranstaltung begonnen hatte, endete sie auch. Trotzdem wollen wir uns nicht beklagen, hatten wir doch noch den trockensten Tag der Woche erwischt!

Mehr Infos zur Veranstaltung und über die LAG Selbsthilfe Bayern finden Sie hier: www.lagh-bayern.de (mk)

veröffentlicht am 22. Juni 2010

v. li.n. re.: Oswald Utz, Joachim Unterländer, Renate Ackermann, Günther Felbinger, Christa Steiger, Brigitte Meyer, Reinhard Kirchner, Gebärdendolmetscher