Berichte aus dem kontakt

SHG Schwabach Typ 1: Was hat Diabetes mit dem Straßenverkehr zu tun?

Das war das Vortragsthema von Dr. Anselm Diener, Diabetologe mit verkehrsmedizinischer Zusatzqualifikation, beim September-Treffen der SHG Schwabach Typ 1.

Ausgehend vom schweren Autounfall, den der Hoffenheimer Fußballprofi Vukcevic 2012 unterzuckert verursacht hatte, ging es zunächst um diabetesspezifische Rechte und Pflichten aus der Fahrerlaubnisverordnung. Einschränkungen können bestehen bei einem neuentdeckten entgleisten Diabetes, gestörter Unterzuckerungswahrnehmung, mehr(!) als einer schweren Unterzuckerung im Jahr aus dem Wachzustand(!) heraus, Stoffwechselentgleisung und schwerwiegenden Folgeerkrankungen.


Dann stellte er die EU-Führerscheinklassen vor, die sich auf zwei Fahrzeuggruppen verteilen, für die es unterschiedliche Anforderungen für die Begutachtung gibt. Probleme haben damit vor allem InhaberInnen eines „grauen Lappens“, da die damalige "Klasse 3" Fahrzeuge aus beiden Gruppen umfasst. Wer weiterhin Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 t fahren will, muss auf Anforderung mindestens drei Monate eine stabile Stoffwechselführung nachweisen und braucht alle drei Jahre eine fachärztliche Begutachtung. Dies wird grundsätzlich von EU-Führerscheininhabern für LKWs und Busse verlangt.


Studien haben gezeigt, dass das Unfallrisiko insulinbehandelter Diabetiker nur 20% über dem von Gesunden liegt. Deutlich höher ist das Unfallrisiko von Patienten mit Schlafapnoe (+ 140%) oder gar ADHS (+ 340%). Den Diabetes angeben sollte man nur, wenn man unbedingt muss! Wichtig ist das vor allem bei Beantragung eines Führerscheins oder einem Unfall. Erhält oder hat die Behörde Kenntnis vom Diabetes, kann bzw. muss sie ein Gutachten verlangen. Auftraggeber ist der Betroffene. Er kann den Gutachter im Prinzip aus einem Pool frei auswählen, es darf nicht der eigene Diabetologe sein. Allerdings gibt es mindestens eine bayerische Behörde, die den zu Begutachtenden vorzuschreiben versucht, dass sie nur eine Begutachtungsstelle für Fahreignung wie TÜV oder DEKRA beauftragen dürfen. Diabetologen mit verkehrsmedizinischer Qualifikation sind damit ausgeschlossen. Als Fazit bleibt damit, sich am besten so zu verhalten, dass erst gar kein Gutachten nötig wird.


Zum Schluss gab es noch drei Fallbeispiele, an denen die sehr unterschiedlichen Vorgeschichten zu Gutachten und derem Ergebnis erläutert wurde. (Ulrike Reinhardt)

veröffentlicht am 30. November 2017

Dr. Anselm Diener, Diabetologe