Schlaganfall-Risiko: Bei jungen Diabetikern deutlich erhöht
Einer kanadischen Studie zufolge haben junge Diabetiker im Alter von 30 bis 44 Jahren ein sechsmal höheres Schlaganfall-Risiko.
In dem 5-jährigen Beobachtungszeitraum erlitten insgesamt 9,1 % aller Diabetiker einen Schlaganfall. Insgesamt weisen 16 bis 24 % aller Schlaganfall-Patienten einen bisher nicht erkannten Diabetes auf. Häufig fällt die Prognose dieser Patienten schlechter aus, die Sterblichkeit ist höher und es kommt öfter zu bleibenden Behinderungen. Angesichts einer zunehmenden Fast-Food-Mentalität in Deutschland sehen Wissenschaftler große Probleme auf die Gesellschaft zukommen. Der Typ-2-Diabetes, die häufigste Form des „Zuckers“, entsteht ganz wesentlich durch unausgewogene Ernährung. Dabei wären rund 70 % der Schlaganfälle zu verhindern - bei regelmäßiger Kontrolle der Risikofaktoren Diabetes und Bluthochdruck, ausgewogener Ernährung und ausreichender Bewegung. Nach einer bundesweiten Umfrage der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist mehr als 80 % der Deutschen sogar bewusst, dass sie ihr Risiko selbst beeinflussen können. (Schlaganfall-Barometer 2/2011).
„Das Problem ist: zu wenige verhalten sich danach“, sagt Prof. Dr. Bernd Ringelstein, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung. „Die Umstellung der Lebensgewohnheiten fällt vielen extrem schwer. Deshalb brauchen sie eine intensive Begleitung, vor allem aber eine sehr früh einsetzende Erziehung in Richtung eines gesunden Lebensstils“. Der Mediziner plädiert für mehr Beratungs- und Betreuungsangebote von Patienten außerhalb der Kliniken und eine verbesserte Prävention. In Deutschland leben derzeit rund 6 Millionen Typ-2-Diabetiker.
Warum fällt es vielen Menschen so schwer, sich vernünftig zu verhalten und gefasste Vorsätze zur Lebensstiländerung umzusetzen? Psychologen nennen vor allem zwei Gründe für das Scheitern.
- Oft sind die Rahmenbedingungen ungünstig: Ziele nicht klar definiert, Zeitpunkte ungünstig gewählt oder das Vorhaben geheim gehalten. Das senkt die Hemmschwelle zum Ausstieg.
- Und dann ist da noch die eigene Persönlichkeit, die viele Menschen nicht wirklich kennen, meint der Persönlichkeitsforscher Jaap Denissen.
Der Wandel des Lebensstils setzt Eigenschaften wie Offenheit für Neues oder Gewissenhaftigkeit voraus. Wer seine Persönlichkeit gut kennt, kann sich realistische Ziele setzen, möglicherweise Fehler leichter verzeihen und bei einem Scheitern im ersten Anlauf auf einen zweiten Versuch hinarbeiten. Langfristig hält Jaap Denissen Persönlichkeitsänderungen für möglich, wenn auch nur durch kontinuierliche und disziplinierte Arbeit am eigenen Selbst. Neue und bessere Gewohnheiten könnten zu einer Art „zweiten Natur“ werden.

