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Pflegegrad nach Widerspruch: Rückwirkende Zahlung der Leistungen bis zu vier Jahre möglich!

Jeder fünfte Erstantrag auf einen Pflegegrad wird von der Pflegekasse abgelehnt, eine Höherstufung in jedem zweiten Fall. Viele Betroffene nehmen den Bescheid der Kasse als unanfechtbar hin.


Der Widerspruch lohnt sich jedoch: Denn wer widerspricht, erhält häufig doch noch den gewünschten Pflegegrad. Aber auch wenn die Widerspruchsfrist verstrichen ist, haben Betroffene noch Chancen, einen Pflegegrad zu erhalten: Das Sozialrecht ermöglicht Antragstellern noch lange nach Ablauf der Widerspruchsfrist die erneute Prüfung eines Falles zu erreichen – und gegebenenfalls bis zu vier Jahre rückwirkend Leistungen zu erhalten.

„Es sind besonders häufig Männer, die aus Scham ihre Bedürftigkeit bei einer Pflegebegutachtung nicht vollständig offenlegen“, sagt Michael Klatt, Fachanwalt für Sozialrecht, im Interview mit pflege.de. „In einem Fall hat ein Mandant etwa nicht mitgeteilt, wie stark seine Inkontinenz ausgeprägt ist – und sein Antrag auf einen höheren Pflegegrad wurde abgelehnt.“ Die Gründe für das Scheitern von Anträgen bei der Pflegekasse sind vielfältig – neben unvollständigen Darstellungen der Betroffenen spielt häufig eine Rolle, dass die Gutachter an der Problemsituation vorbeifragen. Die Konsequenz ist die gleiche: Den Antragstellern flattert ein Ablehnungsbescheid in den Briefkasten. Wer dann nicht innerhalb eines Monats Widerspruch einlegt, glaubt häufig, nun alle Chancen vertan zu haben. Dem ist allerdings nicht so!


Ein Anwalt kann auch Monate später eine erneute Prüfung dieser Entscheidung erwirken. Das Sozialgesetzbuch (§ 44 SGB X) sieht vor, dass auch bestandskräftig gewordene Entscheidungen der Pflegekasse noch überprüft werden können – und zwar rückwirkend bis zu vier Jahre. Damit ein Anwalt die erneute Prüfung eines Falles bei der Pflegekasse beantragt, reicht die Vermutung aus, dass die Ablehnung eines Pflegegrades falsch war. (PM pflege.de)

veröffentlicht am 25. Januar 2018