Berichte aus dem kontakt

Mit uns in die Zukunft

Interview: Thorsten Scholz in GO IN

 

GO IN ist ein Gesundheitsmagazin im Raum Ingolstadt, das in allen Arztpraxen ausliegt. GO IN veröffentlichte in einer Herbstausgabe ein Interview mit Thorsten Scholz, dem kommissarischen Vorsitzenden des Regionalverbands Ingolstadt im Diabetikerbund Bayern e.V. Wir danken für die Genehmigung zum Abdruck.

 

GO: Wissen Sie, wie viele Diabetiker es ungefähr in der Region gibt und wie gelingt es Ihnen, die Betroffenen auf Ihre Selbsthilfegruppe aufmerksam zu machen?

 

Thorsten Scholz: Eine genaue Zahl kenne ich nicht, aber ich bin mir fast sicher, dass es wesentlich mehr Diabetiker in der Region gibt, als wir an aktiven Mitgliedern haben. Mit unserer Öffentlichkeitsarbeit versuchen wir, alle Diabetiker und Interessierte zu erreichen.

 

GO: Seit wann gibt es die Selbsthilfegruppen in und um Ingolstadt, wie viele Mitglieder haben sie und was sind Ihre Ziele?

 

Thorsten Scholz: Das erste Treffen in Sachen Selbsthilfe Diabetes fand ca. 1983 statt. Daraus entwickelte sich im Lauf der Jahre der heutige Regionalverband mit seinen Gruppen, welcher dem Diabetikerbund Bayern e.V. untersteht. Den Regionalverband gibt es seit 2003. Wir haben derzeit um die 200 Mitglieder und unser Ziel ist es, den Diabetikern Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten.

 

GO: Was genau verbirgt sich hinter der Krankheit Diabetes?

 

Thorsten Scholz: Man muss hierbei jetzt zwischen den beiden Diabetestypen unterscheiden: Beim Typ-1-Diabetes wurde die (insulinbildenden Zellen in der) Bauchspeicheldrüse vom eigenen Immunsystem zerstört. Diese Form des Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Sie kommt seltener vor als der Typ-2-Diabetes. Etwa jeder zehnte Diabetiker ist vom Typ-1-Diabetes betroffen und er kommt in der Regel bei Kindern und Jugendlichen vor. Aber auch Erwachsene können diese Form des Diabetes bekommen. Die Folge ist, dass alle Typ-1er vom ersten Tag an das fehlende Insulin spritzen müssen, bis zu sieben mal täglich den Blutzucker messen und auf eine möglichst gute Blutzucker-Einstellung achten müssen, um die Gefahr einer Folgeerkrankung zu vermeiden oder hinauszuzögern. Der Anteil der von Typ-2-Diabetes betroffenen Personen liegt bei ca. 90 Prozent aller Diabetiker. Es fängt in der Regel zunächst schleichend an. Der Diabetes im allgemeinen tun nicht weh und deswegen merken viele gar nicht, dass sie zwischenzeitlich an Typ-2-Diabetes erkrankt sind. Die Behandlung beginnt meist mit Tabletten und kann im Laufe der Zeit auch zum Spitzen führen. Der Typ-2-Diabetes ist zwischenzeitlich zu einer Volkskrankheit geworden.

 

GO: Unter welcher Form von Diabetes leiden Sie selbst und wie gehen Sie mit Ihrer Krankheit um?

 

Thorsten Scholz: Ich habe seit dem neunten Lebensjahr Typ-1-Diabetes und bei mir fing es damals mit der sogenannten konventionellen Therapie (zweimal am Tag spritzen) an und heute habe ich eine Insulinpumpe. Ich bin eigentlich vom ersten Tag an mit dem Diabetes recht offen umgegangen und daran habe ich bis heute nichts geändert.

 

GO: Was wünschen Sie sich für die Vereinsarbeit?

 

Thorsten Scholz: Ich würde mir am meisten wünschen, dass sich jeder Diabetiker organisiert und so dazu beiträgt, dass Institutionen wie der Deutsche Diabetiker Bund e.V. (in Bayern: Diabetikerbund Bayern e.V.) eine noch stärkere Präsenz gegenüber der Politik zeigen kann. Viele fragen mich: Was kann der Diabetikerbund für mich tun, wenn ich ihm beitrete?“ Wir bieten unseren Mitgliedern Fachinformationen und Erfahrungsaustausch in den Gruppen, ein Rechtsberatungsnetz mit Fachanwälten sowie Versicherungen speziell für Diabetiker an. Jeder Diabetiker ist für sich selbst verantwortlich und sollte sich selbst deshalb die Frage stellen. “Was kann ich für mich und meine Therapie tun und wie kann ich das?“ Wir vom Diabetikerbund unterstützen ihn dabei. Betrachtet man die heutige gesundheitspolitische Lage, wird sofort klar, dass der Einzelne nichts erreichen kann. Treten aber alle Betroffenen gemeinsam an, dann kann man auch mehr erreichen.

 

Ich wurde auch schon gefragt:

 

„Wer ist denn der Diabetikerbund?“ Der Diabetikerbund ist jedes einzelne Mitglied, welches durch seine aktive Mitgliedschaft Präsenz zeigt. Getreu dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“.

veröffentlicht am 22. Dezember 2011

Thorsten Scholz