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"Lebensqualität" als wichtiger Parameter Patienten und Ärzte: Füllt die Fragebögen konsequent aus!

Am 2. Februar hatten die Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE), der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) und dessen Interessengruppe Biotechnologie (vfa bio) Patienten, Wissenschaftler, Ärzte sowie Vertreter von Behörden und der Industrie nach Berlin eingeladen, um sich über den Stellenwert der Lebensqualität bei der Beurteilung von Arzneimitteln aus verschiedensten Blickwinkeln auszutauschen.


Prof. Dr. Thomas Kohlmann, Professor für Quality of Life an der Uni Greifswald, führte mit der Definition von M. Bullinger aus dem Jahr 1996 ins Thema ein: „Lebensqualität bedeutet in der Medizin die vom Befragten ausgehende Beurteilung von Befinden und Funktionsfähigkeit in psychischen, physischen, sozialen und emotionalen Lebensbereichen." Mittels spezieller Fragebögen kann man das durchschnittliche Befinden gut darstellen. Noch ist die Forschung am Dazulernen, in welchen Bereichen krankeitsspezifische und in welchen krankheitsübergreifende Fragebögen die Situation des Patienten besser abbilden. Er erläuterte die Voraussetzungen für verlässliche Ergebnisse und gab einen Ausblick in die Zukunft: Um eine hohe Rücklaufquote zu gewährleisten, müssen die Fragebögen kürzer werden - auch die Anwendung digitaler Medien könnte die Rücklaufquote erhöhen.


Prof. Dr. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, erläuterte, dass, und wie der Faktor Lebensqualität einen immer größeren Stellenwert in der Zulassung von neuen Arzneimitteln erlangen wird. Sie wird in allen Studien erhoben, ist aber selten als primärer Endpunkt in klinischen Zulassungsprüfungen erfasst. Es bestehen oft Probleme mt der Interpretierbarkeit. Deshalb sei es wichtig, dass Patienten durch akribisches Ausfüllen der vom Vorredner vorgestellten Fragebögen dazu beitragen, verlässliche Daten zu erhalten, die in der Folge zum objektiven Parameter werden.


Auch Thomas Müller, Leiter der Abteilung Arzneimittel beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), erläuterte die Bedeutung der Lebensqualität in der Bewertung des Zusatznutzens eines Medikaments. Er beklagte, dass oft zu wenig Daten zur Lebensqualität vorhanden seien, weshalb diese dann nicht in wünschenswerter Weise einfließen könnten. Die Rücklaufquote von Fragebögen unterschreite oft die Mindestanforderung von 70 %. Deshalb sei es wichtig, Ärzte und Patienten hierfür noch mehr zu motivieren. Außerdem forderte er den verstärkten Einsatz von krankheitsspezifischen Fragebögen.


Dieter Wenzel, mpn-netzwerk und Sprecher der Patientenvertretung im Unterausschuss Arzneimittel: "Lebensqualität ist ein klinischer Endpunkt, der zum Ausdruck bringt, was der Patient fühlt. Laborwerte können gut oder schlecht sein; wie es dem Patienten geht, kann nur er selbst beurteilen!" Die Patientenvertreter haben immer zur Erhebung von Daten zur Lebensqualität in klinischen Studien gedrängt. Auch er ging auf die Wichtigkeit von seriösen Daten mittels Fragebögen ein - das müsse man Patienten nahe bringen. Anhand eines Beispiels zeigte er auf, wie entscheidend solche Daten in der Zuerkennung eines beträchtlichen Zusatznutzens sein können.


Karl-Heinz Klingebiel, Vater eines 38-jährigen kleinwüchsigen Sohnes und Gründungsmitglied bzw. ehemaliger langjähriger Vorstand des Bundesverbands Kleinwüchsige Menschen und Angehörige erläuterte aus der Sicht eines betroffenen Vaters die Bedeutung von Lebensqualität. Der Verband hatte einen eigenen Fragebogen entwickelt und seine Mitglieder befragt.


Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Leiterin des Interdisziplinären Stoffwechsel-Centrums Lipidambulanz der Charité Berlin, zeigte eindrucksvoll, wie eine Behandlung ihrer an einer seltenen Erkrankung leidenden Patientin Lebensqualität zurück bringen konnte. Vorher habe die Patientin aufgrund ihrer Beeinträchtigungen nicht mehr arbeiten können. Seit der Behandlung sei sie schmerzfrei und stünde wieder im Berufsleben.


Auch Dr. Peter Kaskel, Senior Market Access Manager bei MSD Merck Sharp & Dohme ging auf die Bedeutung der Erhebung der Lebensqualität mittels Fragebögen ein und beklagte, dass es zu vielen Erkrankungen noch keine krankheitsspezifischen Fragebögen gäbe. MSD schlösse die Lebensqualität konsequent in klinische Studien ein.

veröffentlicht am 04. Mai 2017