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Freder1k – Typ 1-Diabetes verhindern Präventionsprogramm für Babys startet in Bayern

Ab sofort können Eltern in Bayern ihre Babys bis zum dritten Lebensmonat auf das Risiko, Typ 1-Diabetes zu entwickeln, testen lassen. Die Untersuchung im Rahmen der neuen Freder1k-Studie will Kinder mit einem deutlich erhöhten Risiko identifizieren. Ihnen wird eine Behandlung mit Insulinpulver angeboten, welche die Krankheit verhindern soll.


Für den Risikotest sind nur wenige Blutstropfen nötig, die im Rahmen des regulären Neugeborenenscreenings oder bei jedem anderen Arztbesuch in den ersten drei Lebensmonaten abgenommen werden können. Test und Studienteilnahme sind freiwillig und kostenlos. „Unser Ziel ist eine Welt ohne Typ 1-Diabetes“, sagt Studienleitern Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler vom Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München. „Wir hoffen, dass sich das Immunsystem durch die regelmäßige Gabe von Insulinpulver mit der Nahrung so trainieren lässt, dass der für Typ 1-Diabetes charakteristische Angriff auf körpereigene Strukturen ausbleibt. Die Vorläuferstudien Pre-POINT und Pre-POINTearly haben dazu bereits vielversprechende Ergebnisse geliefert und gezeigt, dass diese Behandlung sicher ist.“


Das Helmholtz Zentrum München führt die Studie mit dem Klinikum Rechts der Isar der TU München in enger Kooperation mit dem Berufsverband der Frauenärzte e. V. und Geburtskliniken in Bayern sowie dem Berufsverband der Kinder-und Jugendärzte e. V. in Bayern durch. Die amerikanische Familienstiftung Helmsley Charitable Trust finanziert die Initiative, die 2018 auf vier weitere europäische Länder (Schweden, Polen, Belgien und Großbritannien) ausgedehnt wird. Im Rahmen von GPPAD, der Globalen Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes wollen die Wissenschaftler und Ärzte europaweit insgesamt 330.000 Babys untersuchen, davon 66.000 in Bayern.


Freder1k baut auf den Erfolgen des Fr1da-Projekts in Bayern auf. Seit Ende 2014 wurden im Rahmen von Fr1da mehr als 68.000 Kinder zwischen zwei und fünf Jahren auf ein frühes Stadium des Typ 1-Diabetes untersucht. In dieser Phase hat das Immunsystem aber bereits angefangen, die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse anzugreifen und zu zerstören. Die neue Freder1k-Studie möchte Kinder, die ein besonders hohes Risiko haben, Typ 1-Diabetes zu entwickeln, nun bereits identifizieren, bevor die Autoimmunreaktion begonnen hat – um sie im nächsten Schritt präventiv zu behandeln und die Zerstörung der Betazellen zu verhindern.


Der Autoimmunprozess beginnt meist im Baby- und Kleinkindalter, lange bevor sich Diabetes-Symptome zeigen. Kleine Kinder sammeln in diesem Zeitraum Erfahrungen mit verschiedenen Nahrungsmitteln und stecken viele Gegenstände in den Mund. Unter anderem durch solche Reize über den Verdauungstrakt lernt die Körperabwehr, mit neuen Strukturen richtig umzugehen. Das Immunsystem von Kindern mit Risikogenen ist in dieser Altersspanne aber auch besonders empfänglich für eine Fehlsteuerung.


Um dieses Zeitfenster zu nutzen, wurde ein Test entwickelt, der bereits direkt nach der Geburt anzeigen kann, ob ein erhöhtes Risiko, Typ 1-Diabetes zu entwickeln, besteht. Kinder, bei denen der Test anschlägt, können ab dem Beikostalter mit der Präventionsstudie POInT (Primary Oral Insulin Trial) starten. Dabei nehmen sie täglich eine kleine Menge Insulinpulver mit der Nahrung auf. Anders als das gespritzte Insulin dient das Pulver nicht zur Blutzuckersenkung. Es wird im Verdauungstrakt in kleine Bestandteile aufgespalten und soll das Immunsystem darauf trainieren, diese Strukturen nicht anzugreifen. Nach dem gleichen Prinzip konnte vor einiger Zeit in einer amerikanischen Untersuchung die Zahl der Kinder, die eine Erdnussallergie entwickelten, deutlich verringert werden. Vorstudien mit Insulinpulver lieferten bereits Hinweise auf eine positive Immunreaktion. Die Behandlung zeigte bei mehreren Hundert Kindern und jungen Erwachsenen keine Nebenwirkungen.


Familien, die ihr Kind testen lassen wollen, erhalten auf der Internetseite www.aworldwithout1.com, bei der Freder1k-Hotline unter der Nummer 0800-000 00 18 oder per E-Mail (contact(at)gppad.org) weitere Informationen.

 

Mehr erfahren Sie auch in den Flyern, s. rechte Spalte.

(Helmholtz Zentrum München)

veröffentlicht am 25. Januar 2018

© Stephan Wiegand-UKD

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