Berichte aus dem kontakt

Die Diabetes Road rollt!

Gelungene Eröffnung am 9. Juni in München, große Resonanz an den bisherigen Standorten


Premieren sind immer spannend – das galt auch für den Start der Diabetes Road 2017. Der Rindermarkt in München war unser Ziel: Mit genügend Manpower, einem mit Materialien beladenen Gespann und einem Transportfahrzeug traf sich das Team am 9. Juni um 8 Uhr auf dem Platz, denn schließlich sollte bis zur offiziellen Eröffnung um 10 Uhr alles perfekt sein.

 

Bis auf Kleinigkeiten gelang dies auch: Bei strahlendem Sonnenschein lauschten pünktlich um 10 Uhr wartende Interessenten den Eröffnungsworten von Bernd Franz, Vorstandsvorsitzender des Diabetikerbunds Bayern, gefolgt von  Ministerialdirigent Peter Steiert, der Schirmherrin und Staatsministerin Melanie Huml vertrat, Sonja Stipanitz, Patientenbeauftragte des Bayerischen Apothekerverbands, und Jochen Binder, Barmer.

 

Dank an alle Unterstützer der Aktion


Bernd Franz dankte in der Begrüßung allen Unterstützern der Aktion: dem Bayerischen Apothekerverband, der Bayerischen Landesapothekerkammer, der Diabetikerstiftung Mittelpunkt Mensch, der Barmer, der Techniker Krankenkasse, MSD, Novo Nordisk, Sanofi und Abbott – denn nur gemeinsam konnte die Diabetes Road überhaupt ins Leben gerufen werden. Er begrüßte die Vertreter der Industrie, unsere Dachverbände LAG Selbsthilfe Bayern und den Paritätischen Wohlfahrtsverband sowie Vertreter der Presse, u. a. Kirchheim-Verlag und diabetesTV.

 

Aus dem Grußwort: Mit der Diabetes Road gehen wir Diabetiker auf die Straße – 2017 in elf bayerischen Städten und 2018 werden ebenso viele folgen. Wir wollen mit der Diabetes Road aufklären und beraten, um so Ängsten und Sorgen zu begegnen, die oft im Zusammenhang mit Diabetes auftreten.


Viele beschäftigen sich mit Diabetes, viele geben vermeintlich gute Ratschläge. Die wahren Experten für den Alltag mit Diabetes sind jedoch die Betroffenen selbst. Von ihnen kann man viel erfahren und lernen, denn sie sind tagtäglich Manager ihres Diabetes. Deshalb stehen wir hier und teilen gerne unseren Erfahrungsschatz mit Diabetikern und Angehörigen – und Menschen, die eventuell ein erhöhtes Diabetes-Risiko haben. Und: Wir wollen mit unserer Aktion helfen, Diabetes Typ 2 zu verhindern bzw. sehr früh zu entdecken.


Diabetes betrifft viele Menschen, aber wir wissen nicht, wie viele wirklich. Deshalb appellierte er an die Politik: „Wir brauchen endlich einen nationalen Diabetesplan und ein nationales Diabetesregister.“ Viele Informationen aus der Presse schlagen hohe Wellen, werden oft aber ohne größeren Zusammenhang betrachtet. So lesen wir immer wieder von stark wachsenden Zahlen an Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen – konkrete Zahlen gibt es nicht. Oft heißt es auch: Diabetiker sind selbst schuld, Stichwort: dick, faul, gefräßig. Man vergisst dabei jedoch, den Wandel in der Gesellschaft und unserer Arbeitswelt mit zu betrachten – volle Supermärkte, sitzende Tätigkeiten, Arbeitswege im Auto oder Nahverkehr, Computer/Fernsehen in der Freizeit: Dies alles wirkt auf die Spezies Mensch heute ein. In unserer Entwicklung sah der Alltag anders aus: Wir mussten viel laufen, um unsere, oft spärliche, Ernährung zu sichern. Es hilft aus unserer Sicht nicht, denjenigen, die sich vermeintlich falsch verhalten und ernähren, mit Sanktionen zu drohen. Wir brauchen ein Umdenken in der Gesellschaft. Klar ist – wir müssen etwas tun. Es gibt ganz viele Baustellen. Wichtig dabei: Im Mittelpunkt muss immer der Mensch stehen.


Ministerialdirigent Peter Steiert überbrachte die Grüße von Staatsministerin Melanie Huml, die die Schirmherrschaft für die Aktion sehr gern übernommen hat. Er wies auf die Zahlen im Bayerischen Diabetesbericht hin. Rund eine Million Menschen in Bayern werden aufgrund Diabetes behandelt. Man schätzt, dass bis zu 200 000 weitere Menschen bereits an Diabetes erkrankt, aber nicht diagnostiziert sind. Ein Großteil der Betroffenen leidet an Typ-2-Diabetes. Die steigenden Diabeteszahlen seien ein großes Problem, dessen sei sich die Staatsregierung bewusst. Deshalb setze die Bayerische Staatsregierung gezielt auf Verhaltensprävention, denn mit regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung kann jeder viel selbst tun, um Diabetes und anderen Erkrankungen vorzubeugen bzw. deren Verlauf zu beeinflussen.


Mit dem Bayerischen Präventionsplan will die Staatsregierung Bürgerinnen und Bürger bayernweit und in allen Lebensbereichen in der Entscheidung und  Umsetzung einer gesünderen Lebensweise unterstützen. Wir brauchen mehr Früherkennung, wir brauchen mehr Partner vor Ort und wir müssen eine Plattform für mehr Gesundheitsbewusstsein schaffen. Gesundheit und Prävention sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben – wir können unsere Ziele nur erreichen, wenn wir uns vernetzen.


Wertvolle Selbsthilfegruppen …


Er ging danach auf die medizinische Versorgung in Bayern ein und nannte auch die wertvolle Unterstützung durch Selbsthilfegruppen. Er dankte dem  Diabetikerbund Bayern für dessen Engagement und wünschte besonders dieser Aktion großen Erfolg.


Sonja Stipanitz, Patientenbeauftragte des Bayerischen Apothekerverbands, betonte, wie gut und wichtig es sei, aktiv auf Menschen zuzugehen und sie über Diabetes und ihr individuelles Risiko aufzuklären. Ebenso wichtig sei es, Menschen mit Diabetes und Angehörige über die bestmögliche Versorgung und Angebote zur Unterstützung zu informieren. Dazu gehöre für sie auch immer die Selbsthilfe mit ihrer großen Palette an Möglichkeiten – für alle Diabetiker, Typ 1 wie Typ 2, vom Kind bis zum Senior und für deren Angehörige.


Als Bernd Franz ihr diese Aktion vorstellte und um logistische und persönliche Unterstützung bat, war sie deshalb sehr schnell überzeugt: Das ist eine gute Sache, da machen wir mit! Die Vorstände der Bayerischen Landesapothekerkammer und des Bayerischen Apothekerverbands stimmten zu, und so konnte es losgehen. Frau Stipanitz begrüßte ihre Kollegen Dr. Peter Sandmann und Patrick Schütz, die die Road hier in München tatkräftig  unterstützen. Sie appellierte an die Umstehenden, das an diesem Tag  kostenlose Angebot an Information, Aufklärung und Messungen zahlreich zu nutzen. Sonja Stipanitz dankte allen Helfern und wünschte der Road – in München und an allen anderen Standorten – viel Erfolg.

 

Zum Abschluss der Begrüßung sprach Jochen Binder, Barmer, der die Aktion ebenso lobte und das Thema Diabetes aus der Sicht der Krankenkassen beleuchtete.

 

Jetzt ging es richtig los!


Jetzt konnte es richtig losgehen: Emsige Helfer aus den Reihen des Vorstands kümmerten sich um die schon Wartenden, füllten mit ihnen Diabetes-Risiko-Fragebögen aus oder beantworteten unterschiedlichste Fragen rund um Diabetes. Sie versorgten sie mit Infomaterialien und gaben hilfreiche Tipps. Dr. Peter Sandmann und Patrick Schütz vom Bayerischen Apothekerverband nahmen ihre Plätze an den Messstationen ein, ebenso Elisabeth Preisinger-Franz. Kontinuierlich trafen Interessierte ein – und wurden sofort aufgefangen. Überrannt wurden wir nie – einerseits schade, aber so war Zeit, sich intensiv und individuell zu kümmern.


Ist das Glas halbleer oder halbvoll?

 

Ein Besucher, selbst an Diabetes erkrankt, stellte fest: „Ihr habt ja nicht gerade Schönes im Gepäck“ – wer erfährt schon gern, dass er ein hohes Risiko hat, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, oder möglicherweise sogar schon Teil der Diabetes-Familie ist? Ja, das ist die Crux, die wir bei ähnlichen Aktionen immer wieder erleben: Man schaut vermeintlich schlechten Nachrichten nicht gern ins Auge. Aber es ist auch eine Frage der Betrachtung: Ist das Glas halbleer oder halbvoll? Klar, es ist keine schöne Botschaft, wenn sich herausstellen sollte, dass Typ-2-Diabetes droht – das Wissen darum, und deshalb ist das Glas halbvoll und eben nicht halbleer, bietet hier große Chancen, gegenzusteuern und sich selbst (und möglicherweise Angehörigen) Gutes zu tun.


Rundherum fand noch viel mehr statt: Frau Bauer, Leitung der Typ-2-Selbsthilfegruppe in Augsburg, zauberte mit Blumen und Tieren aus Luftballonschlangen ein Lächeln ins Gesicht vieler Passanten. Für Kinder gab es Luftballons. Nachmittags wurden die Ballons, bestückt mit Karten, in mehreren Serien in den Himmel entlassen – wir sind sehr gespannt, wohin sie fliegen, und bitten alle, die eine Karte finden, sie an uns zurückzuschicken. Die Sonne lachte – und hielt uns lange die Treue. Das am Nachmittag drohende Gewitter meinte es gut mit uns und kam erst nach dem Abbau. Es war ein arbeitsreicher Tag.

 

Coburg

 

Eine Woche nach München waren wir auf Marktplatz in Coburg zu Gast. Hier
war die Resonanz aus der Bevölkerung wesentlich größer. Unzählige Risikofragebögen füllten unsere Aktiven mit Passanten aus. Die uns unterstützenden Apotheker hatten mit mehr als 350 Blutzuckermessungen
gut zu tun, so auch Elisabeth Preisinger-Franz, die bei Bedarf die HbA1c-Messung durchführte.

 

Weiden


Und wiederum eine Woche später waren wir in Weiden zu Gast. Dort standen
wir in Ergänzung des Weidener Diabetikertages vor der Max-Reger-Halle. Bei
uns wurde das Diabetes-Risiko getestet und in der Halle erfuhr man beim Schaukochen gleich, wie man sich gesund und dennoch schmackhaft ernähren kann. Natürlich gab es hier noch viel mehr zu sehen – und man konnte sich mit Diabetes-Experten unterhalten und viele Tipps „einsammeln“.

 

Nürnberg


Am 4. Juli, dem vierten Samstag in Folge, schlugen wir unseren Pavillon inklusive Info-Mobil auf dem Lorenzer Platz in Nürnberg auf. Ein idealer Standort, wie sich schnell herausstellte: Wer in die Stadt, u. a. auch zum nachmittags parallel laufenden Gesundheitsmarkt, wollte, sah uns – und wir ihn bzw. sie. Gern wurde unser Angebot zum Risikotest und den Messungen angenommen: Mit 500 Blutzuckerbestimmungen war dies bisher der
erfolgreichste Standort.


Hermann Imhof, Patienten- und Pflegebeauftragter


In Nürnberg besuchte uns auch Hermann Imhof (CSU), der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung. In München verhindert,
war es ihm ein Bedürfnis, hier in seiner Heimat Nürnberg vorbeizuschauen. Er betonte die Bedeutung einer solch wichtigen Aufklärungsarbeit und dankte dem Diabetikerbund Bayern und allen Helfern und Unterstützern für ihr Engagement.


Hoher Besuch aus Sachsen


Rosmarie Wallig, Landesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes, Landesverband Sachsen e. V., war aus ihrer Heimat angereist, um sich die Diabetes Road direkt in Aktion zu betrachten.


Topwert bisher: HbA1c 14,8 Prozent


Man kann es kaum glauben, aber es ist wahr: Der höchste gemessene Blutzucker lag bei über 400 mg/dl (22,2 mmol/l). Diese Person, zudem noch selbst Mediziner, hatte ein HbA1c von sage und schreibe 14,8 Prozent! Ein Diabetes war bisher noch nicht bekannt.


Unser Ziel immer und überall ist ganz klar: Wir wollen aufklären. Mit unseren Messungen und dem Risikotest können viele mit der Gewissheit weiterleben, dass sie momentan nicht oder nur wenig gefährdet sind. Andere sehen, dass sie ein hohes Risiko haben – und manchen wurde natürlich nahegelegt, sich aufgrund der erhobenen Messungen baldmöglichst beim Hausarzt vorzustellen. Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig solche Früherkennungsaktionen sind!


Wir danken allen Aktiven aus dem Vorstand, den regionalen Selbsthilfegruppen und natürlich den uns an jedem Standort unterstützenden Apothekern vom Bayerischen Apothekerverband – ohne die Hilfe aller wäre die Diabetes Road nur sehr schwer zu stemmen.

Sie können 2017 noch dabei sein – es liegen noch vier Stationen vor uns, zu denen wir Sie und Angehörige, Freunde, Verwandte usw. gern einladen: Wir sind

  • am 9. September auf dem Neupfarrplatz in Regensburg
  • am 16. September auf dem Marktplatz in Ebermannstadt
  • am 23. September im Klostergarten in Passau und zum Abschluss des Jahres 2017
  • am 29. September auf dem Marktplatz in Kulmbach.

Details finden Sie hier!

 

2018 geht die Diabetes Road an neuen Standorten weiter.

 

veröffentlicht am 08. August 2017

Die ersten Ballons werden auf die Reise geschickt

Bernd Franz begrüßte erste Gäste und wichtige Unterstützer: v.li.n.re: Bernd Franz, Sonja Stipanitz, Klaus Walter, Ministerialdirigent Peter Steiert

Ministerialdirigent Peter Steiert und Sonja Stipanitz, Patientenbeauftragte des Bayerischen Apothekerverbands, eröffenen die Diabetes Road - im Hintergrund: Jochen Binder, Barmer

Auf dem Rindermarkt in München

Auf dem Marktplatz in Coburg: Blutzuckermessung am kleinen Tisch, Beratung und Risiko-Test an den Bistro-Tischen rund um den Pavillon, HbA1c im Wohnwagen

Coburg: Alle Helfer in Aktion

Karl-Heinz Stupka, SHG Weiden, unterstützt uns in Nürnberg

Besuch aus Sachsen: Rosemarie Wallig, Vorsitzende des DDB LV Sachsen