Berichte aus dem kontakt

Diabetes gut behandeln bedeutet verantwortungsvolles Handeln

Helfen ohne zu schaden heißt in der Diabetes-Behandlung Blutzucker senken ohne Hypoglykämien, so der Leitsatz des Dingolfinger Diabetestages 2011. Dazu ist es notwendig, dass der Patient sein Wissen, das er in entsprechenden Schulungen erworben hat, verantwortungsbewusst einsetzt. Ohne verantwortungsbewusstes Handeln kann eine gute Blutzuckereinstellung nicht gelingen.

 

Nach der Begrüßung durch Landrat Trapp, Schirmherr der Veranstaltung, begann die Vortragsreihe mit dem Thema „Ursachen, Symptome und Verhinderung der Unterzuckerung“. Wiederholte Hypoglykämien senken die Wahrnehmungsschwelle für Hypoglykämien in immer tiefere Blutzuckerbereiche. Die Symptome werden geringer, die Bereitschaft zur Gegenregulation wird reduziert und das Zeitfenster, in dem der Patient durch Zufuhr von Kohlenhydraten die Hypoglykämie selbst behandeln kann, wird immer kleiner. Frau Dr. Opitz legte die Symptome der Gegenregulation dar und berichtete über die neuen Erkenntnisse zur Gefahr von Unterzuckerungen als Auslöser von Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkten, die letztendlich zum Tod führen können.

 

Hypoglykämie und Herzrhythmus

 

Die bislang bekannten wissenschaftlichen Erklärungen wurden anhand von EKGs und Studienergebnissen aufgezeigt. Gelingt es über mehrere Wochen durch Anheben des HbA1c, des postprandialen 2-Stunden-Wertes und des Zu-Bett-geh-Blutzuckerwertes Hypoglykämien zu vermeiden, werden die Symptome der Unterzuckerung wieder in höhere Blutzucker-Werte gehoben und damit das Risiko schwerer Hypoglykämien gemindert. Die Faktoren, die eine Hypoglykämie begünstigen können, z.B. Verminderung der Insulinresistenz, erhöhte Fitness, Gewichtsabnahme oder nicht bedachte Sport-BEs etc., wurden besprochen und das besondere Risiko des insulinspritzenden Diabetikers hervorgehoben. In diesem Fall kommt es bei Absinken des Blutzuckers nicht zu einem Stopp der Insulinfreisetzung, da das gespritzte Insulin entsprechend seiner Wirkkurve weiter wirkt, der Blutzucker weiter aus dem Blut abtransportiert wird und die Glukoseproduktion in der Leber unterbleibt.

 

Besteht die Typ-1-Erkrankung über einen längeren Zeitraum, kommt es im Rahmen der Gegenregulation nicht mehr zur Glukagonfreisetzung. Somit bleibt dem Typ-1-Diabetiker nur die Katecholaminantwort zur Gegenregulation. Zu bestimmten Zeiten in der Nacht ist die Aktivität des sympathischen Nervensystems niedrig, die Insulinempfindlichkeit sehr hoch und somit die Unterzuckergefahr besonders groß.

 

Bluthochdruck

 

Herr Chefarzt Neumann, seit neun Jahren bei der Gestaltung des Diabetes-Tages mit dabei, veranschaulichte die Ursachen der Hochdruckentstehung beim Diabetiker und ging auf die leitliniengerechte Hochdruck-Therapie und ihre Zielwerte ausführlich ein. Wenn dies nicht zum Erfolg führt, in ganz selten Fällen möglich, gibt es eine noch nicht etablierte Methode, durch Durchtrennung der Nerven an den Nierengefäßen eine operative Blutdrucksenkung zu erzielen. Er berichtete von 50 derartigen mit Erfolg durchgeführten Operationen. Die Rechts/Linksherzinsuffizienz, eine mögliche Folge des Bluthochdrucks, wurde anschaulich dargestellt und Chefarzt Neumann zeigte eindrucksvoll, wie es möglich ist, mittels Schrittmacher die Synchronisierung eines ungleich schlagenden Herzmuskels zu erzielen und damit die Herzmuskelkraft wieder zu steigern. Körperliche Fitness wieder zu erzielen, so Chefarzt Neumann, hat absolut individuellen Charakter. Nicht für jeden ist jede Leistung möglich und die persönliche Leistungsgrenze zu erreichen ist in jedem Fall lobenswert, auch wenn die eigene Leistungsgrenze niedriger ist als die anderer.

 

Ketoazidose

 

Margot Hamberger, Diabetesberaterin DDG, berichtete über die hyperglykämische Entgleisung mit ketoazidotischer Stoffwechsellage, einem Krankheitsbild vornehmlich des Typ-1-Diabetikers. Bei fortgeschrittener ketoazidotischer Entgleisung, so Frau Hamberger, sei dies ein Zustand, der stationär intensiv-medizinisch zu behandeln ist. Die Schwerpunktpraxis konnte aber einen Fall demonstrieren, wo die ambulante Einstellung bei noch nicht fortgeschrittenem Krankheitsbild möglich war, was anhand von BZ- und Spritzprotokollen über acht Tage dargelegt wurde. Die ersten Schulungseinheiten unter Insulintherapie, überwacht durch ständigen telefonischen Kontakt mit Frau Dr. Opitz, konnten gezeigt werden. Binnen kürzester Zeit verstand der Patient das Zusammenspiel zwischen Bewegung, Ernährung und Insulintherapie. Es konnte gezeigt werden, wie er selbstständig entweder vor sportlicher Betätigung eine Bolusreduktion vornahm oder eine Sport-BE aß. Wie wichtig dabei die sorgfältige Dokumentation ist, wurde deutlich. Nach acht Tagen strukturierter Schulung wurde der Patient in die Selbstständigkeit entlassen. In einen aufgezeichneten Interview nahm der Patient zu den Begebenheiten rund um seine Neuerkrankung Stellung. Nach den Vorträgen gab es rege Diskussionen und viele Fragen, die gerne beantwortet wurden.

 

Charcot-Fuß

 

In den Nachmittag führte Frau Dowrtiel, die REHA-Sportfachkraft. Nachdem die Zuhörer angenehm gelockert waren, erfuhren sie von Andrea Eckmeier, Diabetesassistentin und Wundassistentin, die Ursachen und Folgen des sogenannten Charcot-Fußes, einer Veränderung von Knochen, Gelenken und Nerven, ausgelöst durch den Diabetes. Frau Eckmeier hatte reichlich Bildmaterial mitgebracht und zeigte, welche Fehldiagnosen bei dem geschwollenen, geröteten Vorfuß mit durchgebrochenem Längsgewölbe möglich sind: Erysipel, Insektenstich, Lymphstau, etc. Bei nicht rechtzeitiger Interaktion kann eine Amputation notwendig werden, insbesondere dann, wenn über Hautrisse Bakterien eine Superinfektion und Osteolysen bewirken. Sie zeigte, welche therapeutischen Möglichkeiten der Entlastung gegeben sind. Die diabetische Spätkomplikation Charcot-Fuß konnte durch ein Beispiel aus der Praxis veranschaulicht werden. Frau Dr. Opitz legte mit Einwilligung des Patienten die Anamnese dar, der Patient berichtete über seine Beschwerden und seine Behandlung in Form einer Zweischalenorthese in der Amputationsklinik in Osterhofen, wo er nach vierwöchigem Aufenthalt nun mit der Auflage, diese Orthese ein Jahr tragen zu müssen, entlassen worden war.

 

Praxis Dr. Opitz

veröffentlicht am 22. Dezember 2011

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