Der Kunde ist König!?!
Wir dürfen gespannt sein, ob im Laufe diesen Jahres, wie gefordert, „Diabetiker-Lebensmittel“ tatsächlich aus den Regalen der Supermärkte, Drogerien, Reformhäuser usw. verschwinden! Im letzten Jahr gab in vielen Medien dazu Meldungen mit eindeutiger Aussage: Diabetiker brauchen im Rahmen einer gesunden, vollwertigen Ernährung, so wie sie heute aus ernährungsmedizinischer und diabetologischer Sicht empfohlen wird, keine speziellen Diabetikerprodukte! Fachgesellschaften unterstreichen dies und warnen gleichzeitig davor, dass die Bezeichnung „besonders geeignet“ oft fehlinterpretiert wird, falsche Sicherheit vermittelt und die Produkte zu dem überteuert sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) befürwortet die ersatzlose Streichung von Diabetikerlebensmitteln in der Diätverordnung anhand vieler Stellungnahmen. Bereits 2001 wurde durch das BfR der Nutzen dieser Lebensmitteln in Frage gestellt!
Klar, jeder geschulte Diabetiker weiß dies seit langem, oder? Aber wer kauft denn dann die speziellen Artikel noch? Laut BfR griffen 2007 noch ca. 50 % der Diabetiker regelmäßig zu speziellen Produkten, obwohl sie von Fachgesellschaften nicht mehr empfohlen wurden. Bis heute ist die Produktpalette ständig gewachsen – mit beachtlichem Marktanteil!
Es gibt vermutlich tausende Studien, zur Abhängigkeit/dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. War es nicht mal so: es wird vor allem das produziert, was wir als Verbraucher kaufen und wünschen? Ganz nach dem Motto „der Kunde – und somit der Verbraucher - ist König“? Läuft hier vielleicht etwas schief?
Wir lassen uns durch cleveres Marketing auf verschiedensten Wegen unsere Bedürfnisse suggerieren! Allein im Bereich Lebensmittel wird uns doch so einiges aufgetischt oder gar untergejubelt – denkt der Verbraucher überhaupt noch bzw. immer darüber nach, ob er dieses oder jenes Produkt wirklich braucht? Ob dieses unserer Gesundheit förderlich ist, in eine gesunde ausgewogene Ernährung passt? Ein Nahrungsmittel ist umso vollwertiger, je weniger es in seiner Ursprünglichkeit verändert, be- oder verarbeitet wurde!
Der Mensch ist, was er isst!
(Ludwig Feuerbach, Philosoph, 1804-1872)
Wozu z.B. unzählige Milchprodukte in teils abstrakten Geschmacksrichtungen und mit ellenlangen Zutatenlisten, die kaum mehr aufs Etikett passen und mit bloßem Auge nicht mehr lesbar sind? Gibt es das „stinknormale“ Naturjoghurt ohne Zusätze und speziellen Wirkeffekt noch? Die Suche im Kühlregal wird da zur Herausforderung! Wo sind einfache, ursprüngliche Lebensmittel geblieben, die wir tatsächlich als Mittel zum Leben brauchen?
Ja, auch mit Diabetes dürfen wir unter Berücksichtigung des Energie- und Kohlenhydratgehalts alles essen, aber sollten wir uns nicht fragen – wollen wir noch alles essen, was uns die Lebensmittelindustrie ach so appetitlich serviert? Da ist es doch mal von Vorteil, dass wir uns durch die Stoffwechselstörung schon immer mit unserem „täglich Brot“ auseinander setzen mussten, statt unkritisch und gedankenlos unseren Körper irgendwie und irgendwo mit Energie zu versorgen. Nutzen Sie ihr Wissen bei jedem Einkauf: Weniger ist mehr – Qualität statt Quantität! Lieber ein kleineres Stück Fleisch frisch vom Metzger der Region, anstatt der Großpackung aus der Discounter-Tiefkühltruhe von sonst wo her, inklusive jede Menge Verpackungsmaterial.
Vielleicht lässt sich ja gerade jetzt die Fastenzeit nutzen, unser Einkaufs- und Essverhalten wieder mal zu überprüfen oder auch mal auf die ein oder andere liebgewordene, aber ungesunde Gewohnheit zu verzichten, denn wir(!) bestimmen nicht unerheblich mit, was uns in Zukunft noch so alles zum Verzehr „aufgetischt“ wird - auch heute ist der Kunde, also der Verbraucher, noch König!
Gehen Sie mit Herz, Verstand und Brille einkaufen!
Ihre Elke Popp

