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DAK Gesundheit bezahlt Freestyle Libre® für Kinder mit Diabetes - die Pressekonferenz!

Im Januar 2016 kam die von vielen Eltern heiß ersehnte Mitteilung: Freestyle Libre® ist für Kinder ab vier Jahren zugelassen. Viele Eltern waren erleichtert und hofften, die Krankenkassen würden die Kosten nun übernehmen. Aber: Zulassung ist nicht gleichbedeutend mit Kostenübernahme – einzig das häufige Ablehnungsargument „keine Kinderzulassung“ fiel damit weg.

Und so schlug die Pressemeldung der DAK Gesundheit im Laufe des Februar so richtig ein: Sie übernimmt ab sofort für alle bei ihr versicherten Kinder mit Typ 1-Diabetes (4 bis 18 Jahre) die Kosten für Freestyle Libre® und Sensoren!

Hierzu fand im März eine große Pressekonferenz von Abbott Diabetes Care in München statt. Beteiligte Personen waren: Dr. Ansgar Resch (Abbott Diabetes Care), Thomas Bodmer (DAK Gesundheit), Prof. Dr. Thomas Haak (Diabetes Zentrum Bad Mergentheim), Prof. Dr. Martin Wabitsch (Universitätsklinikum Ulm) und zwei Diabetes-Familien, die in Ulm betreut werden und Freestyle Libre® schon nutzen.

Überwältigende Nachfrage überraschte

Dr. Resch ging zunächst auf die Entwicklung und den Erfolg des Freestyle Libre® ein. Seit Herbst 2014 ist das System auf dem Markt. Schon kurz nach Eröffnung des Webshops musste dieser wegen viel zu großer Nachfrage, die Abbott überraschte und zum damaligen Zeitpunkt nicht bewältigen konnte, geschlossen werden. Ab Mitte Februar 2015 konnten sich Interessenten wieder registrieren und auf eine Warteliste setzen lassen, die nach und nach abgearbeitet wurde. Seit Ende Januar 2016 sind alle Staus behoben, Freestyle Libre® ist ab sofort immer bestellbar. Auch können seitdem nicht mehr nur zwei sondern bis zu sechs Sensoren pro Bestellung geordert werden.

DAK Gesundheit unterstützt Kinder

Die DAK Gesundheit war schon 2015 eine der ersten Kassen, die einen Teil der bei ihr versicherten erwachsenen Typ 1-Diabetiker (1500 Personen) mit dem neuen Messsystem versorgte. Thomas Bodmer, DAK Gesundheit, erörterte die Gründe: Krankenkassen müssen wirtschaftlich denken. Vom Libre® erhofft sie sich weniger Unterzuckerungen, verbesserte Stoffwechseleinstellungen und weniger Krankenhauseinweisungen. Die Rückmeldungen, die die Kasse bisher hat, sind durchwegs positiv. Aus diesem Grunde hat die DAK Gesundheit nun parallel zur Kinderzulassung die Möglichkeit geschaffen, die Kosten für diese Patientengruppe ab sofort und rückwirkend zum 1. Januar 2016 übernehmen zu können. Auch die bisher versorgten 1500 Erwachsenen erhalten die Sensoren weiterhin.

Prof. Haak führte am Diabetes Zentrum Bad Mergentheim die ersten Studien mit Freestyle Libre® durch, damals an Typ 2-Diabetikern. Die Studienteilnehmer mit Libre® scannten sehr viel öfter als die andere Gruppe Blutzucker herkömmlich testete. Es gab keine schweren Nebenwirkungen, einige Patienten reagierten allergisch auf Klebstoffbestandteile. Ergebnis der Studie war, das sich bei Patienten über 65 Jahren bei Anwendung des Libre® der HbA1c signifikant verbesserte, wobei weniger Hypos (Unterzuckerungen) auftraten. Die Patienten fühlten sich mit dem System sicherer und berichteten über eine verbesserte Lebensqualität.

Pieksen das Schlimmste am Diabetes

Prof. Wabitsch, Kinderdiabetologe, ging zunächst auf technische Entwicklungen ein, die Diabetiker in den vielen Jahren immer wieder hoffen ließen, das lästige invasive Blutzuckermessen los zu werden, darunter z.B. die Ulmer Zuckeruhr. Aus verschiedensten Gründen kam keines dieser Systeme jemals auf den Markt.
Mit Freestyle Libre® ist nun ein klarer Fortschritt erreicht: Mit einem Pieks alle zwei Wochen gewinnt man durch den aufgezeichneten kompletten Gewebezuckerverlauf unendlich mehr Informationen als mit der punktuellen Blutzuckermessung – und das wären bei einer Messhäufigkeit von acht Messungen am Tag immerhin 112 mal Stechen gewesen. Prof. Wabitsch wünscht sich, dass bald alle Kinder mit diesem System versorgt werden, denn auf seine Befragung von Kindern, Jugendlichen und Eltern „was nervt am Diabetes besonders?“ erhielt er fast immer die Antwort: Das ständige Fingerpieksen!

Wir stehen wieder an einer Schwelle, ähnlich wie bei der Einführung der Blutzuckermessung, so Prof. Wabitsch: Wie lange werden wir noch Blutzucker in der herkömmlichen Form mit Fingerpieks messen?

Was der Einsatz des Freestyle Libre® für sie bedeutet, erläuterten zwei Familien, die Prof. Wabitsch mitgebracht hat. Beide Jungs hießen Paul, beide nutzen den Libre®. Zunächst trauten alle dem Sensor nicht so recht über den Weg und setzten parallele Blutzuckermessungen ein. Das Vertrauen in den Sensor wuchs sehr schnell. Heute wird nur noch selten herkömmlich gemessen, aber viel öfter am Tag gescannt

Paul und Paul und ihre Mamas berichteten von ihrem neuen Alltag mit Sensor: Der aktuelle Wert ist ständig ermittelbar, auch das „unbekannte Loch“ zwischen den Werten gehört der Vergangenheit an. Die Zusatzinformationen, die der Sensor liefert, ermöglichen eine stabilere Stoffwechseleinstellung, gerade bei Kindern und Jugendlichen. Sie erhöhen die Sicherheit bei allen Beteiligten und erleichtern besonders die Nächte – Kinder werden durch das Pieksen im Schlaf nicht mehr gestört, das Scannen verkürzt auch die Schlafpausen der Eltern. Beide Familien möchten den Sensor nicht mehr missen und hoffen auf dauerhafte Kostenübernahme.

Libre®: Was es noch zu sagen gibt

Kostenübernahme

Freestyle Libre® ist nach wie vor noch nicht im Hilfsmittelkatalog der Gesetzlichen Krankenkassen verzeichnet. Aufgrund eines Gerichtsurteils vom Juli 2015, das eigentlich nur CGM-Systeme betrifft, sind Krankenkassen momentan sehr zurückhaltend in der Genehmigung der Kostenübernahme. Wir hoffen, dass der Vorstoß der DAK Gesundheit andere Kassen bald nachziehen lässt. Und natürlich, dass auch Erwachsene wieder bessere Chancen haben.

Hautprobleme/Allergien
Wer mit Ausschlägen auf Bestandteile des Klebers im Sensorpflaster reagiert, sollte dies der Abbott-Hotline melden. Nur so erhält die Firma Kenntnis über die tatsächliche Zahl der hiervon Betroffenen - und das sind nicht wenige.
Erprobte Tipps, wie ein Tragen des Sensors trotz Hautreaktion möglich ist, bis Abbott andere Kleberkomponenten einsetzt, erhalten Sie z.B. vom Gesprächskreis Eltern München.

Erfahrungsaustausch
In vielen unserer Selbsthilfegruppen gibt es schon einige Libre®-Nutzer und regen Erfahrungsaustausch zu allen erdenklichen Fragen im Alltag, bei verschiedendsten Sportarten oder im Urlaub. Das gilt besonders für alle Eltern- und Typ 1-Gruppen. Profitieren Sie von den Erkenntnissen anderer - alle Gruppen sind offen für neue Teilnehmer. Falls Sie sich unsicher sind, ob Erfahrungen vorhanden sind, nehmen Sie einfach vorher Kontakt mit der Gruppenleitung auf.

veröffentlicht am 19. Mai 2016

Prof. Wabitsch liegt die verletzungsfreie Messung sehr am Herzen - Foto: © Medizin news®

Paul (li.) hat seit dem Kleinkindalter Diabetes, Paul (re.) erst seit ca. 2 Jahren - beide freuen sich, nicht mehr ständig pieksen zu müssen - Foto: © Medizin news®

Dr. Berg, Abbott, demonstrierte die heutige Normalität für Diabetiker - Stechen zum Messen ... - Foto: © Medizin news®

... und diese junge Dame muss einfach mit dem Scanner über den Sensor fahren und weiß doch viel mehr. Foto: © Abbott