Berichte aus dem kontakt

Besucherrekord beim 5. Bayerischen Telemedizinkongress

Glücklich konnte sich schätzen, wer sich früh genug angemeldet hatte, denn schon Wochen vor der Veranstaltung war der Kongress, der im Hörsaaltrakt des Klinikums München-Großhadern stattfand, komplett ausgebucht.


Das Motto 2017 lautete „Vernetzte Zukunft“. Parallel fanden am Vor- und Nachmittag jeweils vier Workshops mit je vier Beiträgen statt. Da ging es um „Big Data und Versorgungssteuerung“, „ePflege“ „Gelebte Telemedizin 1 und 2“, „Sektorenübergreifende Vernetzung“ „eLearning“, „Telemedizin-Projekte bayerischer Institutionen“ bis hin zu „Innovationsfonds-Projekte“. Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion zum Thema „Was Deutschland von anderen Ländern lernen kann.“


Der Tag brachte viele Einblicke in tolle telemedizinische Projekte und Entwicklungen in Bayern. Einiges davon ist in manchen Regionen schon im Einsatz, anderes noch in Entwicklung oder wird im kleinen Rahmen getestet. Vieles wäre wünschenswert, bald all denen zur Verfügung zu stehen, die gesundheitlich davon profitieren. Warum dies nicht schneller geschieht? Oft stehen bürokratische und finanzielle Hürden im Weg.


Was ist eigentlich Telemedizin, hab ich damit etwas zu tun? Das mag sich so mancher fragen. Kleine Kliniken mit Spezialisten des Großklinikums vernetzen, damit man gemeinsam die Diagnose und Therapie für den Patienten finden kann, Therapiefortschritte z.B. nach Schlaganfall telemedizinisch ohne weite Wege zum Zentrum überwachen – das sind zwei laufende, erfolgreiche Projekte. Aber es geht auch in klein: Viele von uns nutzen Fitnesstracker oder GesundheitsApps auf dem Handy – dazu zählen auch Blutzuckertagebücher oder ähnliches. Und: Alle gesetzlich Versicherten nutzen ihre Elektronische Gesundheitskarte, die bisher nur wenig speichert – schade oder richtig so?


Laut Umfragen wünschen sich die Bürger mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen, natürlich unter Berücksichtigung hoher Sicherheitskriterien. Die Bedenken zur Speicherung medizinscher Daten auf der elektronischen Gesundheitskarte sind groß. Wer kann die Daten einsehen, will ich das? Kann ich auch auf meine Daten zugreifen? Schon viele Jahre geht es um diese Karte, vorwärts ging wenig – vielleicht jetzt mit dem neuen e-Health-Gesetz? In der Podiumsdiskussion stand die Speicherung von Gesundheitsdaten, Datenschutz und Zugriffsrechte sehr schnell im Mittelpunkt. Konsens war, dass der Datenschutz hoch und die Zugriffsrechte klar geregelt sein müssen – der Patient hat die Hoheit über seine Daten, bestimmt, wer sie einsehen darf; das gilt nicht nur in der Gesamtheit, sondern auch für einzelne gespeicherte Daten. Klar ist auch, die Strafen für Missbrauch müssen hoch sein. Immer noch „im Bau“ ist die Infrastruktur, da Software-Schnittstellen nicht oder nicht ausreichend kompatibel sind.


Positive Erfahrungen aus Dänemark


Nanna Skovgaard, Ministry of Health, Dänemark, berichtete von Erfahrungen aus ihrem Land. Dort werden schon seit einiger Zeit Gesundheitsdaten auf einer sicheren Internetplattform gespeichert. Der Patient bestimmt, wer welche Daten einsehen darf. Auch hier waren die Bedenken früher sehr groß. Die Erfahrungen sind aber durchwegs positiv. Die Bevölkerung befürwortet und fordert eine Ausweitung der Speicherung von medizinischen Daten, „damit der Arzt auch weiß, was los ist und mir schnell helfen kann“.


Wer sich intensiver informieren möchte, findet zahlreiches Material unter www.telemedizintag.de. (Marion Köstlmeier)

veröffentlicht am 08. August 2017