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9. Stanicher Pumpentreffen

Am 17. April 2010 fand in der Steinachtalhalle in Stadtsteinach das 9. Stanicher Pumpentreffen des Diabetikerbund Bayern, Regionalverband (RV) Oberfranken Ost statt. Auch dieses Stanicher Pumpentreffen war wieder sehr gut besucht. Ca. 130 Teilnehmer aus nah und fern waren gekommen. Als Publikumsmagnet zeigte sich wieder die Industrieausstellung, ohne die eine solche Veranstaltung nicht möglich wäre.

Die Grußworte sprachen Klaus Hohlweg, RV-Vorsitzender Oberfranken Ost, Roland Wolfrum, Bürgermeister von Stadtsteinach und Bernd Franz, Vorsitzender des Diabetikerbund Bayern. Anschließend übernahm Michael Lorenz die Moderation und stellte den ersten Referenten, Dr. Gerhard Eberlein von der Diabetologischen Schwerpunktpraxis Bayreuth, vor, der über das Thema: „Analyse von Blutzuckerdaten anhand von Fallbeschreibungen“ referierte.

Dr. Eberlein legte die Ziele für eine gute Blutzuckereinstellung dar: der Nüchternwert sollte unter 100 mg/dl, der pp-Wert (ca. 2 Stunden nach dem Essen) unter 140 mg/dl liegen. Der HbA1c sollte 6,5 % nicht überschreiten. Künftig werden diese Maßeinheiten in mmol/mol dargestellt; ein HbA1c von 7,8 % entspricht 61,7 mmol/mol. Der HbA1c-Wert ist der „Blutzucker-Langzeitwert“. Er stellt, vereinfacht gesehen, den Durchschnittsblutzuckerwert der letzten 6 – 8 Wochen dar, ist als alleinige Aussage der Einstellungsqualität aber nicht geeignet. Der HbA1c-Wert bearbeitet nur die rückwirkende Einstellung des Blutzuckers, nicht jedoch einen Tagesverlauf. Blutzuckerschwankungen sind aber ein wichtiger Faktor zur Beurteilung der Blutzuckereinstellung.

Die Voraussetzung zu auswertbaren Blutzuckerselbstkontrollen/Blutzuckertagesprofilen sind fehlerfreie Messungen zur richtigen Zeit mit entsprechender Dokumentation. Leider besteht in vielen Fällen eine Diskrepanz zwischen Tagebuch und dem Blutzuckermessgerät. Wo liegen hier die Ursachen? 57 % der Messungen sind fehlerhaft, 18 % nicht dokumentiert, bei 60 % wurden die Hypos (Unterzuckerungen) und bei 38 % Hyperglykämien (Überzuckerungen) nicht dokumentiert. Bei der Analyse ist es aber wichtig, Blutzuckerschwankungen zu erkennen: treten Hypo-/Hyperglykämien auf? Wann treten sie auf und wie verläuft der Blutzucker zwischen den Messpunkten? Des Weiteren gilt es, gewisse Muster über den Tag zu erkennen.

Anschließend wurden verschiedene Blutzuckerverläufe aus Fallbeispielen analysiert und diskutiert: Wo liegen im Einzelfall die Probleme? Gibt es ein immer wieder auftretendes Muster zu bestimmten Tageszeiten? Welche Ursachen liegen zugrunde? Und - das ist das wichtigste: Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?

Nach der Pause referierte Dr. Bettina Kuhr, Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim, zum Thema „Nüchternwerte zu hoch?“. Frau Dr. Kuhr erklärte verschiedene Möglichkeiten, warum die Nüchternwerte am Tagesbeginn zu hoch ausfallen können. Zu den Ursachen zählen Insulinwirkung, Ernährung, körperliche Belastung, Lipohypertrophie, Unterzuckerungen, Krankheiten, Medikamente und Hormone.

Im Einzelnen bedeutet dies beim Insulin, dass Langzeitinsulin, Altinsulin und Analoginsulin unterschiedliche Wirkkurven aufweisen, die bei der Einstellung zu beachten sind.
Bei der Ernährung spielt der Fettgehalt eine große Rolle, da Stunden nach der Mahlzeit erhöhte Blutzuckerwerte auftreten. Vorsicht auch bei Alkohol, der sehr kalorienhaltig ist und außerdem zu Unterzuckerungen führen kann.
Der körperlichen Belastung kommt eine besondere Bedeutung zu. Hier ist der Blutzucker-Ausgangswert wichtig sowie evtl. eine Absenkung der Basalrate bzw. der Verzehr von Zusatz-BEs. In der Muskulatur und der Leber werden Glukose gespeichert, bei Muskelarbeit wird diese Glukose freigesetzt. Nach körperlicher Belastung müssen diese Speicher wieder aufgefüllt werden, weshalb hier Unterzuckerungen drohen.

Ursachen der Lipohypertrophie sind die wachstumsfördernde Wirkung des Insulins, die Vergrößerung der Fettzellen und zu häufig gebrauchte Nadeln. Das Gewebe wird hier schlechter durchblutet. Insulin, das in eine solche Stelle gespritzt wird, wird nicht gleichmäßig resorbiert, die Wirkung ist dadurch völlig unkalkulierbar. Lipohypertrophien lassen sich durch häufigere Katheterwechsel und Wechsel des Setzortes vermeiden.

Weitere Ursachen erhöhter Nüchternwerte sind Unterzuckerungen (Hypoglykämien – Blutzucker unter 60mg/dl), oft in der Nacht nicht bemerkt. In der Regel erfolgt eine Gegenregulation, wobei die Glukoseausschüttung aus der Leber schon bei einem Blutzuckerwert von ca. 60 – 70 mg/dl beginnt. Die Bereitstellung der Glukose als Schutz vor schwerer Hypo läuft automatisch. Bei schweren Hypos kann dieser Prozess durch Einsatz der Glukagonspritze beschleunigt werden.

Krankheiten sind ebenfalls verantwortlich für erhöhte Nüchternwerte. Hierzu zählen Fieber (Steigerung des Insulinbedarfs um ca. 10 % pro Grad Temperaturerhöhung), Durchfall (ggfs. Reduktion der Basalrate und Boli bei verminderter Nahrungsaufnahme und beschleunigter Magen-Darmpassage, für Zwieback: Reduktion der Bolusgabe um 50 %), Lebererkrankung (Insulinresistenz), Nierenerkrankung, Magenentleerungsstörung (diabetische Gastroparese - die Geschwindigkeit der Magenentleerung hängt von der Nahrungszusammensetzung ab. Was kann man tun: Verzögerung des Bolus, kleinere Mahlzeiten, Medikamente und Magenschrittmacher).

Cortisonhaltige Medikamente erhöhen ebenfalls die Nüchternwerte. Der Effekt tritt erst ca. 4 – 6 Stunden nach Einnahme des Cortisons auf; hier ist eine Anpassung der Basalrate und Boli erforderlich. Weitere Medikamente, die erhöhte Nüchternwerte auslösen können sind Betablocker und Diuretika. Achtung: manche Medikamente enthalten Zucker!

Weitere Ursachen sind Hormone z.B. weibliche Hormone (Zyklusschwankungen, Schwangerschaft - Konsequenz: Anpassung des Insulinbedarfs, gegebenenfalls 2 Basalraten), Schilddrüsenerkrankung (Hypothyreose -> Senkung des Insulinbedarfs, Hyperthyreose -> Steigerung des Insulinbedarfs) und cortisonbedingte Erkrankungen, wie z.B. Morbus Addison (Unterfunktion der Nebenniere) und Morbus Cushing (Stimulation der Hirnanhangdrüse).

Zusammenfassung:
Folgendes ist zu beachten und anzuwenden: beim Insulin die variable Wirkung und variable Dosierung, wechselndes BE-Schema, wechselnde körperliche Belastung, ausreichende Selbstkontrollen mit entsprechender Dokumentation. Beim Messen in der Diabetesbehandlung im Alltag ist auch nachts zweimal der Blutzucker zu kontrollieren, Ergänzung der Unterlagen durch ärztlichen Rat. Strukturelle Schwächen der Insulintherapie sind aufzuzeigen, verbunden mit einer evtl. Umstellung der Insulintherapie unter Absprache mit dem Diabetologen.

Michael Lorenz bedankte sich bei den Referenten mit einem Präsent. Anschließend gab es noch reichlich Zeit und Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit den Referenten, Industrieausstellern und untereinander.

Klaus Hohlweg

veröffentlicht am 22. Juni 2010